Drei Jahre nach Mord an Burak - "Es tut weh, dass sie noch immer keine Spur haben"

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Vor fast drei Jahren wurde Burak Bektas ermordet. Der junge Mann stand mit Freunden in Neukölln auf dem Gehweg, als ein Unbekannter ohne Vorwarnung das Feuer eröffnete. Bis heute sucht die Polizei den Täter. Oder auch nur ein Motiv. Es gibt keine Spur. Freunde und Familie vermuten einen rechtsextremen Anschlag. Die Anwälte der Familie erheben Vorwürfe, die Mutter hat noch immer Angst.

Auch knapp drei Jahre nach dem Tod ihres Sohnes kommt Melek Bektas in Begleitung zum Friedhof neben der Neuköllner Sehitlik-Moschee. Weil sie das allein nicht verkrafte, sagt sie.

Das schwere Leben der Familie Bektas

Denn auch drei Jahre nach dem höchst rätselhaften Mord gibt es noch immer keine heiße Spur. Das sei ein Grund dafür, dass die Familie keine Ruhe und noch immer nicht in den Alltag zurück finde, so Melek Bektas.
"Ich weiß wirklich nicht, warum mein Sohn nicht nach Hause kommt. Was ist denn los? Was ist passiert? Wer hat das gemacht?", sagt sie. "Wenn ich durch die Straßen laufe, frage ich mich: Wer war das? Der oder vielleicht die? Das ist nicht schön. Das Leben ist für uns sehr, sehr schwer geworden."

Vorwürfe der Familie

Die Familie des Opfers hat am Donnerstag in München am Rande des NSU-Prozesses demonstriert. Und sie erhob Vorwürfe gegen die Berliner Ermittlungsbehörden.
Die Polizei sei Hinweisen auf rechtsextreme Täter nur unzureichend nachgegangen, sagten die Anwälte. Aus den Akten ergebe sich, dass die Ermittler nur eine Liste mit Neonazis erstellt hätten, die in der Umgebung des Tatorts wohnen. Solche Täter handelten aber nicht regional, sondern bundesweit.

Wurde er Opfer, weil er aus einer Einwandererfamilie stammt?

Burak Bektas war damals 22 und Auszubildender. Ein ganz normaler Junge, der mit Kriminellen nichts zu tun hatte. Am Abend des 5. April 2012 wird er in Neukölln erschossen - unter mysteriösen Umständen. Die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY - ungelöst" hat das mit Schauspielern nachgestellt. Ein Unbekannter näherte sich damals dem Freundeskreis, zog ohne erkennbaren Anlass eine Waffe und verletzte drei der jungen Männer schwer. Burak starb drei Minuten später. Wurde er als Opfer ausgesucht, weil er aus einer Einwandererfamilie stammt - so wie auch die Opfer des rechtsextremen NSU?
"Wir können nicht akzeptieren, dass sie keine Spur gefunden haben", sagt Buraks Mutter, Melek Bektas. "Hier ist die Hauptstadt, die haben so viele Möglichkeiten. Die haben wir als Familie nicht. Aber die sagen, dass sie noch immer keine Spur gefunden haben. Das tut wirklich weh."

Schwere Vorwürfe gegen Ermittlungsbehörden

Der Fall sorgte für Aufsehen, auch weil die Opfer womöglich zufällig ausgewählt waren - nach dem Vorbild des NSU-Terrors. Die Familie bekommt sogar Besuch vom Innensenator und vom Polizeichef. Dennoch gibt es den Verdacht, dass die Polizei mehr hätte tun können. Zum Beispiel, als sich eine vermutlich rechtsextreme Anwohnerin verdächtig verhält - und auf Facebook die Tat sogar bejubelt.
Helga Seyb von der Opferberatung Reachout: "Ich habe nicht den Eindruck, dass die Gelegenheit genutzt wurde, die Szene und das Umfeld von dieser Frau, die ja ganz in der Nähe des Tatorts gewohnt und nachweißlich Freunde hat, die Nazis sind, richtig aufzumischen."
Melek Bektas, die Mutter des Ermordeten, hat auch drei Jahre später noch Angst: "Der Täter läuft frei rum. Ich habe Angst, wenn ich abends nach Hause gehe. Ich habe Angst, wenn ich hier allein bin. Ich kann hier nicht alleine herkommen. Ich habe zwei Kinder und Familie, wir haben wirklich Angst."
Die Polizei habe das Umfeld der Verdächtigen gründlich durchleuchtet, sagt sie. Doch auch hier findet sich keine neue Spur. Melek Bektas hofft, dass der Hintergrund der Tat doch noch ans Licht kommt. Und dass das nicht Jahre dauern wird. NORBERT SIGMUND

http://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2015/03/mord-an-burak-bektas-b...

Datum: 
Donnerstag, März 5, 2015