Pressemitteilung zu den Angriffzahlen in Berlin 2014

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Die Angriffszahlen in Berlin sind erschreckend hoch.
Rassismus ist das häufigste Tatmotiv.
Die meisten Angriffe finden in Mitte statt.

ReachOut, die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, verzeichnet 179 Angriffe für das Jahr 2014. Trotz eines leichten Rückgangs im Vergleich zu 2013 bleiben die Menge und die Art und Weise der Angriffe erschreckend. Rassismus steht als Tatmotiv im Vordergrund. 266 Menschen wurden verletzt und bedroht.

Berlin, 10. März 2014

Insgesamt erfasst ReachOut 179 Angriffe für das Jahr 2014 (2013: 185). Dabei wurden 266 (2013: 288) Menschen verletzt, gejagt und massiv bedroht. Rassismus steigt, trotz des leichten Rückgangs der Gesamtzahlen an und ist das häufigste Tatmotiv (2014: 100, 2013: 87).
Häufiger attackiert wurden politische Gegner_innen (2014: 31, 2013: 27). Die antisemitisch motivierten Taten stiegen von 8 im Jahr 2013 auf 18 Fälle.

Im Stadtteil Mitte finden 24 (2013: 8) und somit stadtweit die meisten Angriffe statt. 12 der Gewalttaten sind rassistisch motiviert.

Die Gewalttaten treffen die Opfer völlig unvermittelt und ohne dass sich die Angreifer_innen und die Opfer zuvor kannten.

Der größte Teil der Angriffe findet in aller Öffentlichkeit statt: 107 Gewalttaten (2013: 121) werden auf Straßen, Plätzen und an Haltestellen und 37 (2013: 42) in öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen verübt.

Zum Beispiel:
Am 16. August 2014 werden zwei Frauen, die mit zwei Kindern unterwegs sind, gegen 16.20 Uhr auf dem S-Bahnhof Wittenau von einem unbekannten Mann rassistisch beleidigt und bedroht. In der S-Bahn werden die Frauen weiter bedroht, bis der Mann von seiner Begleiterin aus dem Zug gedrängt wird.

Am 29. Mai wird ein 24-jähriger Mann, der mit Freunden unterwegs ist, gegen 17.00 Uhr an der Frankfurter Allee Ecke Siegfriedstraße aus einer Gruppe von 10 Männern heraus rassistisch beleidigt. Der 24-Jährige wird von zwei Männern auf die Straße gestoßen und geschlagen.

Sabine Seyb, Mitarbeiterin von ReachOut, weist darauf hin: "Die Angriffe, die im Zusammenhang mit den rassistischen Proteste gegen geflüchtete Menschen gesehen werden müssen, setzen sich auch 2014 fort. Mindestens 18 Gewalttaten und Bedrohungen, richten sich gegen Flüchtlinge und deren Unterstützer_innen."

So findet am 7. Oktober 2014 um 18.00 Uhr ein Treffen von Teilnehmer_innen der Initiative "Hellersdorf hilft" in der Begegnungsstätte LaLoka statt. Auf dem Weg dorthin wird ein Teilnehmer von Neonazis erkannt und verfolgt. Er flüchtet in das LaLoka. Etwa 15 Neonazis dringen in den Vorraum ein und bedrohen die Anwesenden bis die Polizei erscheint.

Am 30. August wird ein 14-jähriges Mädchen, das in einer Gruppe von Kindern aus den Geflüchtetenunterkünften in der Carola-Neher-Straße und Maxie-Wander-Straße unterwegs ist, an einer Bushaltestelle von einem unbekannten Mann absichtlich angerempelt.

Zu den auffällig häufigen Angriffen im Stadtteil Mitte sagt Sabine Seyb: "Im Vergleich zu den Gesamtzahlen geschehen in Mitte mehr als die Hälfte der Gewalttaten in öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen. So wird am 13. Oktober 2014 eine Frau, die von ihrem dreijährigen Sohn begleitet wird, morgens in der U-Bahnlinie 6 kurz vor dem Bahnhof Friedrichstraße von einem Mann rassistisch beleidigt und das Kind wird geschlagen. Am 4. Juli gegen 21.00 Uhr werden ein 21-jähriger und ein 32-jähriger Mann auf dem Bahnsteig des U-Bahnhofs Französische Straße von drei Männern im Alter von 17 bis 19 Jahren homophob beleidigt, geschlagen und verletzt.

Diese Beispiele machen deutlich, dass Fahrgäste und Passant_innen die Angriffe beobachten, ohne den Opfern zur Hilfe zu kommen. Hier sollten die politisch Verantwortlichen Kampagnen starten, um über die Möglichkeiten einzugreifen aufzukären und somit die Betroffenen besser zu schützen."

Nach dem Stadteil Mitte folgen Kreuzberg mit 16, Hellersdorf und Neukölln mit je 15 Gewalttaten. In Charlottenburg und Pankow dokumentieren wir jeweils 12 Angriffe.

Weitere Einzelheiten zu den Angriffszahlen entnehmen Sie bitte der Tabelle "Rechte, rassistische
und antisemitische Angriffe in Berlin 2008-2014".

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Sabine Seyb
Tel.: 030-695 68 339

Die Pressemitteilung als PDF zum Herunterladen findet sich hier

Datum: 
Dienstag, März 10, 2015