Für das Jahr 2009 registriert die Opferberatungsstelle ReachOut 102 rechtsextrem, rassistisch, antisemitisch und homophob motivierte Angriffe in Berlin.
Die Zahl der bisher bekannt gewordenen gewalttätigen Angriffe und massiven Bedrohungen ist im Vergleich zu 2008 gesunken.
Die Zahl der rassistisch motivierten Angriffe bleibt auf hohem Niveau.
Berlin, 9. März 2010
ReachOut, die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, verzeichnet für das Jahr 2009 insgesamt 102 Angriffe in Berlin. Bis März des vergangenen Jahres wurden 148 Angriffe für 2008 registriert. Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigen, dass wir noch mit umfangreichen Nachmeldungen für 2009 rechnen müssen. So zählen wir heute für das Jahr 2008 über 20 Angriffe mehr, als zu Beginn des letzten Jahres.
Die gesunkenen Angriffszahlen sind erfreulich, bieten aber erfahrungsgemäß keinen Anlass zur Entwarnung. Schon mehrfach haben wir in den zurückliegenden Jahren kurzfristige Rückgänge feststellen können. Darauf folgte jedoch häufig wieder ein Anstieg der rechtsextrem, rassistisch, antisemitisch und homophob motivierten Gewalttaten.
Von den 102 Angriffen sind in der „Chronik rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Angriffe und Bedrohungen“ (www.reachoutberlin.de) 83 Fälle dokumentiert. Einige der Opfer lehnen aus Angst vor weiteren Gewalttaten jede Form der Veröffentlichung des Angriffs zunächst ab.
Im Verhältnis zu den um fast ein Drittel gesunkenen Gesamtzahlen sind die rassistisch motivier-ten Angriffe nur in geringem Maß zurückgegangen. In 53 (2008:65) Fällen wurden Menschen aus rassistischen Motiven angegriffen. Diese stellten mit Abstand die größte Gruppe dar.
15 Gewalttaten trafen Linke (2008: 30), vor allem AntifaschistInnen, gegen nicht-rechte, alternati-ve Jugendliche und Erwachsene richteten sich 12 (2008: 30) Angriffe, 7 (2008: 4) Angriffe waren antisemitisch motiviert.
50 (2008: 86) Angriffe fanden im öffentlichen Raum statt. Insgesamt 29 (2008: 39) Gewalttaten wurden in öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen verübt.
Die meisten Angriffe haben an den Wochenenden stattgefunden.
Friedrichshain ist mit 17 (2008: 30) Gewalttaten auch im Jahr 2009 der Bezirk mit der höchsten Angriffszahl. Zum ersten Mal landet ein Westberliner Bezirk auf Platz zwei unserer Angriffsstatistik. Insgesamt 9 (2008: 3) Attacken wurden für Wedding dokumentiert. Es folgen Mitte (2008: 6), Prenzlauer Berg (2008: 6) und Treptow (2008: 9) mit je 7, Pankow (2008: 14) und Neukölln (2008: 9) mit je 6 Angriffen.
Während in Friedrichhain die Angriffe gegen Linke und nicht rechte, alternative Jugendliche und Erwachsene überwiegen, sind in Wedding die meisten Angriffe rassistisch motiviert (6). Auch in Prenzlauer Berg und Mitte haben die meisten Angriffe einen rassistischen Hintergrund.
Die Angriffszahlen der Berliner Ermittlungsbehörden für den Bereich „politisch motivierte Kriminalität rechts“ liegen bisher nicht vor.
Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Sabine Seyb, 030-69568339
Zum Herunterladen:
Download PM-RO-Angriffszahlen-2009 PDF
Download RO-Statistik-2008-2009 PDF
Download Angriffsorte-2009.PDF
Download Tatmotiv-2009.PDF
Download Bezirke-Angriffe-2009.PDF