Logo
  ReachOut-Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus  
Facebook
Facebook

Languages
Sprache auswählen:

Deutsch English Español

ReachOut


Thema: Aktuelles

In der Rubrik 'Presseschau' sind Presseberichte dokumentiert, in denen ReachOut erwähnt wird, und Beiträge von Mitarbeiterinnen von ReachOut:

<   1234567891011121314151617   >

2011-04-18 Beratungsstellen veröffentlichen Jahresstatistik zu rechter Gewalt in Ostdeutschland
UserReachOut 19.04.2011, 17:07 Uhr
 Aktuelles 2010: 704 RECHTSMOTIVIERTE GEWALTDELIKTE IN OSTDEUTSCHLAND

Im Jahr 2010 erlangten die Opferberatungsstellen in den östlichen Bundesländern und in Berlin Kenntnis von insgesamt 704 rechtsmotivierten Gewalttaten. Dies waren 35 Angriffe weniger als im Vorjahr.

Während in Berlin und Brandenburg ein geringfügiger Anstieg rechter Gewalt zu verzeichnen war, gingen in Sachsen und Sachsen-Anhalt rechtsmotivierte Gewalttaten leicht zurück. Dies galt auch für Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings kam es hier im vergangenen Jahr zu einer wahren Anschlagsserie auf Büros von Landtagsabgeordneten und andere Sachbeschädigungen etwa gegen Wohnhäuser oder Imbisse. Nur bedingt mit den Vorjahren vergleichbar sind die vorliegenden Daten aus Thüringen, da die dort tätige Beratungseinrichtung aufgrund eines Trägerwechsels ihre Erhebung ab September 2010 einstellen musste.

Insgesamt wurden die meisten Fälle in Sachsen (239) gezählt, gefolgt von Berlin (109), Brandenburg (108), Sachsen-Anhalt (106), Mecklenburg-Vorpommern (96) und Thüringen (46). Von den 704, in ihrer Intensität sehr unterschiedlichen Angriffen, waren mindestens 1.416 Personen betroffen. In nahezu 90 Prozent der Fälle handelte es sich um Körperverletzungsdelikte. In 388 Fällen richtete sich die Gewalt gegen meist junge Menschen aus linken und alternativen Milieus. 230 Mal war Rassismus die Tatmotivation.

Ein Mensch kam im vergangenen Jahr in Sachsen aufgrund eines rechts motivierten Angriffs um Leben: Am 24. Oktober wurde Kamal K., ein 19-jähriger Iraker, erstochen. Mindestens einer der Täter gehört der Neonaziszene an. Vor allem in Sachsen-Anhalt nahm die Zahl rassistisch motivierter Gewalttaten deutlich zu. In Berlin war 2010 ein Anstieg rechter Übergriffe in den westlichen Bezirken der Stadt zu beobachten. In Brandenburg wurden rechte Gewalttaten vor allem im Süden des Landes registriert. Eine ausschlaggebende Entwicklung für Mecklenburg-Vorpommern war die Zunahme gezielter Sachbeschädigungen.


Weitere Informationen zu den einzelnen Ländern:

ReachOut Berlin
Opferperspektive Brandenburg
Lobbi Mecklenburg-Vorpommern
Opferberatung RAA Sachsen
Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt Sachsen-Anhalt
Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt Dessau
Thüringer Hilfsdienst für Opfer rechtsextremer Gewalt [Der Verein hat die Arbeit eingestellt]

Statistisches Material hier.



1598 Aufrufe >>>

2011-04-14 Kritische Reflexionen
UserReachOut 14.04.2011, 16:19 Uhr
 Aktuelles kritisch-lesen.de

Rezension der Broschüre: Rassistische Verhältnisse - Ausblicke - Tendenzen – Positionen. ReachOut (Hg.)

Fast pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum veröffentlichte ReachOut – Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus eine abwechslungsreiche und überaus lesenswerte Broschüre.

Wie Delal Atmaca im Vorwort zu Recht bemerkt, ist ein zehnjähriges Jubiläum der Berliner Opferberatungsstelle kein Grund zu grenzenloser Freude, denn gäbe „es keine rechte, keine rassistische, keine antisemitische Gewalt, dann bräuchte es ReachOut gar nicht“ (S. 4). Aber – und auch da hat Atmaca recht, solange es Rassismus gibt, solange muss es auch Opferberatung geben, solange muss es Orte geben, an denen die Perspektive der Betroffenen in den Mittelpunkt gerückt wird. Und so kommen in der Publikation etliche Menschen zu Wort, direkt oder indirekt, die Betroffene rassistischer Gewalt wurden. Maria Joao Portugal schildert einen Angriff in einer S-Bahn und einen anderen in Berlin-Spandau, Berliner Stadtteilmütter sprechen zu Erfahrungen mit antimuslimischem Rassismus und zwei „Fälle“ rassistisch motivierter Polizeigewalt werden vorgestellt.

Die Broschüre umfasst neben eben diesen Opferperspektiven, also neben etlichen Schilderungen von rassistischer Gewalt und Ausgrenzung eine Reihe von Artikeln rund ums Thema Rassismus. Yasemin Shooman verdeutlicht in „’Kultur’ statt ‚Rasse’“ das Phänomen des antimuslimischen Rassismus und führt pointiert aus, dass inzwischen das Merkmal „Kultur“ zur Grenzziehung zwischen Eigenem und Fremdem dient (vgl. S. 19). Manchmal, so Shooman, werde Rassismus via emanzipativer Diskurse vermittelt, beispielsweise wenn er mit dem Thema Frauenrechte verbunden wird. Es gelte also genau hinzuschauen, „wenn Menschenrechte ins Feld geführt werden, um die Ablehnung einer Gruppe als Kollektiv zu legitimieren.“ (S. 20) Koray Yilmaz-Günay schaut genau hin und analysiert in dem Artikel „Frauen und Homosexuelle im Clash of Civilizations“ die Diskursverschränkungen zwischen Rassismus und Sexismus/Homophobie. Yilmaz-Günay zeigt auf, wie diese Verschränkungen bis hin zur Legitimation von Krieg führen können. Dass aber die immanente Selbstzuschreibung von Deutschland als antisexistisch mit der faktischen Wirklichkeit nicht viel zu tun hat, auch das wird benannt, also die „Tendenz, benachteiligte Gruppen gegeneinander in Stellung zu bringen, um mit kleinen Zugeständnissen das große Ganze bestehen zu lassen.“ (S. 33) Es müsse, so Koray Yilmaz-Günay, darum gehen, „gemeinsam gegen Diskriminierung vorzugehen, ohne sich in eine ‚Opfer-Konkurrenz’ zu begeben. (…) Die Überwindung von Sexismus und Homophobie kann sinnvoll nur als antirassistischer Kampf geführt werden.“ (S. 33)

Wie versucht wird, Betroffene zu Täter_innen und eine weiße Mehrheitsgesellschaft zu Opfern umzudefinieren, das zeigt Sebastian Friedrich in dem ausgezeichneten Artikel „Spiele(nd) ernst nehmen! Zum Eliten-Rassismus und dessen Funktion“ auf. Während der jüngsten Integrations-Debatte wurde wenig bis gar nicht über Rassismus und stattdessen über die „Ängste der weißen Bevölkerung“ (S. 25) gesprochen. Dass hier „Rassismus als Folge von Angst verharmlost wird“ (ebd.) ist eine Sache. Die andere ist das damit verbundene „Selbstbild von Teilen der Elite“ (ebd.). Beides benennt Friedrich und führt folgend die Funktionen von Eliten-Rassismus aus. Neben der Feindbildproduktion durch die Konstruktion von Sicherheitsdefiziten besteht eine andere Funktion in der Spaltung von Protestpotential. Zuletzt, so beschreibt es der Autor, geht es um die „Ethnisierung des Sozialen“, die Hand in Hand geht mit „dem verbreiteten Wunsch der Eliten nach der zunehmenden Ökonomisierung des Sozialen.“ (S. 28)

Auch Biplab Basu beschreibt Formen des Rassismus, die meist in der öffentlichen Wahrnehmung nicht als Teil des Problems gesehen werden. „All das geschieht fast unbemerkt. Friedlich“, so bringt es der Titel auf den Punkt. Es geht hier um institutionellen Rassismus, um Rassismus der Polizei, um Rassismus in Strafanstalten, um den Rassismus in den Medien. Diese Institutionen wirken, so Basu, besonders machtvoll in ihrer „willigen Beteiligung an der Lösung des sogenannten Problems ‚Migration’.“ (S. 39) Was gegen solch machtvolle Institutionen getan werden kann, zeigt der Artikel „KOP. Die Kampagne für Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt stellt sich vor“ exemplarisch auf. Es gilt mit verschiedenen Hilfsangeboten an Betroffene „eine Normalität zu durchbrechen.“ (S. 45) Und so stellt sich KOP gegen die „von Seiten der politisch Verantwortlichen vertretenen ‚Schwarzen Schafe’ und ‚Einzelfall’-Thesen, wonach rassistisch motivierte Polizeiübergriffe eine Ausnahme darstellen, die von einigen wenigen Ausnahmepolizisten verübt werden.“ (ebd.) Neben KOP stellt sich die Psychologische Beratung für Opfer rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt vor, denn für Betroffene dauert ein Übergriff länger als der konkrete Akt. Hier geht es um psychologische Krisenintervention und Traumatherapie.
Informationen für Lehrer_innen und Eltern über rassistisches Mobbing in der Schule ergänzen einen Artikel von Sanchita Basu, die sich gegen die Bagatellisierung von rassistischem Mobbing an Schulen richtet und für einen verstärkten Dialog diesbezüglich eintritt.

Timo Lange wendet sich in dem Artikel „Hate Crime“ gegen das Konzept der Hasskriminalität, das u.a. auch vom BKA herangezogen wird um Statistiken über rassistische Straftaten aufzustellen. Er kritisiert einleuchtend, dass bei diesem Konzept die „überindividuelle, gesellschaftliche Dimension von Rassismus oder Homophobie“ verloren gehe. Somit trage die Kategorie Hasskriminalität zur Entpolitisierung rassistischer Gewalt bei. Es geht darum, und das geht aus allen Artikeln evident hervor, Rassismus und andere Ausgrenzungsmechanismen als strukturelle Probleme wahrzunehmen und Machtbeziehungen in die Analyse mit einzubeziehen.

Gut, dass es ReachOut gibt, gut, dass Rassismuskritik so deutlich, offensiv und klug wie in dieser Broschüre vermittelt wird – gerade auch in einer Zeit, in der Extremismusquatsch, Bekenntniszwang und Generalverdacht denen die Arbeit schwer macht, die Rassismus entgegenwirken. REGINA WAMPER

Die Broschüre ist online verfügbar.
ReachOut (Hg.) 2010: Rassistische Verhältnisse. Ausblicke - Tendenzen - Positionen.
57 Seiten.

http://www.kritisch-lesen.de



1442 Aufrufe >>>

2011-03-31 Broschüre ‚Hate Crime in Russland - Monitoring und Unterstützung für Betroffene rassistischer Gewalt’ als Download
UserReachOut 31.03.2011, 16:50 Uhr
 Aktuelles Seit Mitte 2001 berät und unterstützt ReachOut Opfer und Zeug_innen rechter, rassistischer und antisemitischer Angriffe und Bedrohungen in Berlin. Die Angriffe werden recherchiert, dokumentiert und veröffentlicht. ReachOut möchte damit das Ausmaß dieser Gewalttaten realistischer spiegeln, als dies die offiziellen Statistiken der Ermittlungsbehörden vermögen.

Dennoch ist das Dunkelfeld bzgl. der Angriffe auf Menschen, die nicht in das Weltbild der Täter_innen passen, nach wie vor groß. Es existieren jedoch in Deutschland eine Vielzahl von unabhängigen Initiativen, Beratungsprojekten und Dokumentationsstellen, die das Ausmaß der Gewalt und die Situation der Opfer fokussieren, unabhängig davon, ob die Betroffenen bereit sind, Anzeige zu erstatten.

So entstanden in Berlin und in den ostdeutschen Bundesländern 2001 mit Hilfe staatlicher Förderung u.a. die Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Trotz unsicherer, prekärer Rahmenbedingungen konnten sich die Projekte etablieren und die Mitarbeiter_innen werden mittlerweile von Medienvertreter_innen, Wissenschaftler_innen und politisch Verantwortlichen als Expert_innen anerkannt. Dazu hat neben der konkreten Beratungsarbeit vor allem die professionelle Recherche- und Dokumentationsarbeit beigetragen. So liegen die Angriffszahlen, die die Opferberatungsprojekte veröffentlichen, weit über den Zahlen der Ermittlungsbehörden.

Über rechte, rassistische und antisemitische Gewalt in Osteuropa ist auf internationaler Ebene nur wenig bekannt. Demzufolge ist das Wissen über die Situation der Opfer und deren Angehörige selbst in Fachkreisen gering.

Aus der Recherche- und Beratungspraxis in Berlin weiß ReachOut, dass die Gruppe derjenigen, die rassistisch motiviert angegriffen werden und das Beratungsangebot in Anspruch nehmen, am größten ist. Deswegen konnte das Team von ReachOut gerade im Hinblick auf diese Opfergruppe in den letzten Jahren fundiertes Wissen und Erfahrungen sammeln.

Vor allem bei rassistisch motivierter Gewalt lässt sich das Täter_innenspektrum nicht auf organisierte Neonazis und deren unmittelbares Umfeld beschränken. Deswegen sieht ReachOut gerade in diesem Bereich einen besonderen Handlungsbedarf. Denn rassistische Einstellungen und Praxen sind in Russland – ganz ähnlich wie in Deutschland – gesellschaftlich und institutionell fest verankert. Die Opfer können bisher häufig keine professionelle Hilfe erwarten und werden mit der Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse allein gelassen.

Mit der vorliegenden Studie verfolgt ReachOut das Ziel, die Betroffenen rassistischer Gewalt und deren Situation auf internationaler Ebene in den Blickpunkt zu rücken. Von besonderem Interesse ist, welche Erfahrungen und Arbeitsbedingungen in ausgewählten Regionen Russlands existieren, um die Betroffenen und deren Anliegen zu unterstützen.

Darüber hinaus wird die Situation von (potenziell) Betroffenen aus der Perspektive von Projektvertreter_innen und anderen Expert_innen geschildert, die von den Opfern um Beratung und Hilfe gebeten werden, diese jedoch nicht in dem erforderlichen Umfang leisten können. Dabei stellt sich die zentrale Frage, welche Erfahrungen und Ressourcen in den Projekten vorhanden sind und welche Unterstützung sie brauchen.

Entstehen konnte die Studie nur in enger Zusammenarbeit und im Austausch mit einer Vielzahl von russischen Projektvertreter_innen und Einzelpersonen, die bereit waren, uns Interviews zu geben, für Fragen offen zu sein und die ersten Ergebnisse der Studie im Rahmen eines Arbeitstreffens zu diskutieren, kritisch zu kommentieren und zu ergänzen.

Mit der Studie verfolgt ReachOut das Anliegen, die Projekte bzw. deren Mitarbeiter_innen, die in Russland bisher unter schwierigen Bedingungen (teilweise unter Lebensgefahr) sehr engagiert arbeiten, zu unterstützen. Die Erarbeitung ihrer Konzepte, ihre Aufbauarbeit und Weiterentwicklung von Beratungs- und Monitoringprojekten bedarf einer praxisnahen, partnerschaftlichen Förderung. Dazu wird es einen langen Atem und nicht zuletzt die Bereitschaft von internationalen Organisationen brauchen, die Arbeit finanziell und inhaltlich zu unterstützen.

Im Zentrum der Bemühungen von ReachOut steht, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Situation der Opfer und die häufig lebenslangen Folgen der Angriffe für die Betroffenen stärker als bisher Beachtung findet. Die Studie ist ein Appell, den Betroffenen mit mehr Empathie und Respekt gegenüber zu treten, damit sie in Zukunft vor Angriffen besser geschützt werden können.

Sabine Seyb
ReachOut – Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus,Rassismus und Antisemitismus


Die Broschüre als PDF zum Herunterladen findet sich hier.




1541 Aufrufe >>>

2011-03-23 ReachOut-Broschüre "Rassistische Verhältnisse. Ausblicke - Tendenzen - Positionen" als Download
UserReachOut 23.03.2011, 15:22 Uhr
 Aktuelles
Jubiläen sind ein Anlass zum Feiern. Normalerweise. ReachOut – eine Berliner Initiative für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt – wurde im Jahre 2001 gegründet, besteht also nunmehr seit fast 10 Jahren. Es ist großartig, dass es diese Initiative gibt. Sie ist wichtig, mehr noch: Sie ist unverzichtbar. Und genau das ist der Grund, warum ich das Gefühl habe: Dieses Jubiläum ist KEIN Grund zum Feiern. Denn eines ist klar: Gäbe es keine rechte, keine rassistische, keine antisemitische Gewalt, dann bräuchte es ReachOut gar nicht. DAS wäre ein Grund zum Feiern. Doch solang es diese Gewalt gibt, solange wird es auch Opfer geben. Und solang es Opfer gibt, solange muss es ReachOut geben.

ReachOut ist nicht zuletzt deshalb so bedeutsam, weil es die Opfer in den Mittelpunkt stellt und konsequent deren Perspektive einnimmt. Und gerade dies hat, wie Sabine Seyb in ihrem Beitrag »ReachOut: Die Opfer unterstützen und beraten« eindrücklich klar macht, eine gesellschaftspolitische Dimension. Sie schreibt: »Die Perspektive der Betroffenen einzunehmen, bedeutet eben auch, für gleiche Chancen und Rechte aller hier lebenden Menschen einzutreten und die Konflikte, die sich daraus ergeben, auszutragen.«

Die bei ReachOut engagierten Menschen hören zu, sie schenken den Schilderungen der Opfer Glauben. Dies ist leider keineswegs selbstverständlich, sondern viel zu oft die Ausnahme. Durch das Zuhören und Glauben eines Gegenübers wird es den Opfern, die nach erlebten Gewaltattacken häufig unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, überhaupt erst möglich, wieder Vertrauen zu Menschen außerhalb ihres unmittelbaren Familien und Freundeskreises aufzubauen. In diesem Zusammenhang sei hingewiesen auf die wichtige Arbeit der »Psychologischen Beratung für Opfer rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt«, die Eben Louw in dieser Broschüre kurz vorstellt mit seinem Beitrag »Mutig ist nicht, wer keine Angst kennt. Mutig ist, wer die Angst kennt und sie überwindet.« Und die Beiträge von Maria João Portugal schildern anschaulich und bewegend die Ängste einzelner Menschen während und nach rassistischen Übergriffen und Gewaltattacken. Eine weitere Besonderheit von ReachOut ist, dass die Initiative sich nicht – gleichsam »passiv« – als reine Anlaufstelle versteht, sondern von sich aus aktiv auf Opfer zugeht, den Kontakt also selbst sucht. Dies wiederum ist nur möglich aufgrund einer weiteren Besonderheit: ReachOut recherchiert Medienberichte über Gewalttaten und führt eine entsprechende Chronik, die als insoweit hilfreiche Datenbasis fungiert.
Diese Broschüre enthält Beiträge von Menschen, die sich weder mit der Gewalt noch mit der Hilflosigkeit der Opfer abfinden wollen. Deshalb engagieren sie sich: gegen Gewalt und für die Opfer. Ein Ausdruck der Entschlossenheit und der Vielfältigkeit, aber auch der Notwendigkeit dieses Engagements ist die Breite und Tiefe der Beiträge. Diese Notwendigkeit hängt mit dem unerfreulichen Umstand zusammen, dass rechtsextreme Ansichten in Deutschland zunehmend »salonfähiger« werden. Wer dies nicht wahrhaben will, dem seien nur Inhalt, Verlauf und Umfang der Sarrazin Debatte in Erinnerung gerufen.

Wichtig und aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist insbesondere der Beitrag »›Kultur‹ statt ›Rasse‹ – das Phänomen des Antimuslimischen Rassismus« von Yasemin Shooman. Die Autorin entkräftet auf überzeugende Weise das von Sarrazin selbst oder auch von Necla Kelek und anderen vorgebrachte Argument, es sei absurd, Sarrazins Islamkritik mit Rassismus gleichzusetzen, da der Islam keine Rasse, sondern eine Kultur und Religion sei: Yasemin weist darauf hin, dass »es überhaupt keine genetisch unterscheidbaren menschlichen Rassen gibt«; vielmehr handele es sich bei ›Rassen‹ um soziale und politische Konstrukte – »rassistische Denkweisen, die Menschen kategorisieren und (…) mit unterschiedlichen Wertungen versehen (…seien) keineswegs verschwunden.«

Verwiesen sei zudem auf die Beiträge »Spielen(d) ernst nehmen: Zum Eliten Rassismus und dessen Funktion« von Sebastian Friedrich sowie »`All´ das geschieht fast unbemerkt. Friedlich´ – Institutioneller Rassismus« von Biplab Basu: Beide thematisieren das Problem des institutionellen Rassismus. Zwar werden Residenzpflicht, Asyl und Flüchtlingsheime, Abschiebehaft, Praktiken in Ausländerbehörden oder auch von Wohnungsunternehmen nicht ausführlich thematisiert. Aber Biplab Basu geht ganz konkret auf den Rassismus in Medien, Polizei und Strafanstalten ein. In diesem Zusammenhang sei auch auf die wichtige Kampagne für Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt – KOP – hingewiesen, die in dieser Broschüre vorgestellt wird. Sebastian Friedrich vertritt die interessante These einer Art Instrumentalisierung des Themas »Angst« durch Medien und Politik; gemeint ist hier allerdings nicht die reale Angst der Opfer von rechter, rassistischer oder antisemitischer Gewalt. Sondern gemeint ist jene – vermeintliche oder tatsächliche – diffuse Angst der »weißen Mehrheitsbevölkerung « vor Überfremdung: Hier werde, so Sebastian Friedrich, »Rassismus als Folge von Angst verharmlost«, zudem würden »Täter Opfer Strukturen umgekehrt.« Etwaiger Rassismus der Eliten selbst hingegen – hier Medien und Politik – werde von diesen gar nicht erst thematisiert.

Einen weiteren interessanten Beitrag liefert Koray Yilmaz Günay mit »Frauen und Homosexuelle im Clash of Civilizations. Mit Rassismus gegen Sexismus und Homophobie?« Korays Kernpunkt: Rassismus sollte nicht – wie viel zu oft und viel zu leichtfertig anzutreffen – ausschließlich der politischen Rechten oder gar den Rechtsextremen zugeschrieben werden. Als Erklärung müssten dann in aller Regel »eine mangelhafte ›Aufklärung‹ über kulturelle Verschiedenheit oder negative Erfahrungen von Einzelnen herhalten.« Bei einer derart verkürzten Sichtweise jedoch blieben strukturelle Ebenen außer acht – auch Verbindungen zu Frauen, Lesben und Schwulenfeindlichkeit, die dann häufig gleichsam unter Schuldzuweisungen auch und insbesondere mit der muslimischen Kultur und Gesellschaft assoziiert würden. Worauf es statt derlei vereinfachter (Denk)Muster ankomme, daran lässt Koray keinen Zweifel: »Wir müssen verstehen, wann, wie und vor allem zu welchem Zweck Frauen, Schwulen und Lesbenfeindlichkeit zu Argumenten in einem rassistischen Diskurs werden. Die Überwindung von Sexismus und Homophobie kann sinnvoll nur als antirassistischer Kampf geführt werden.«

Leider kann ich hier nicht auf jeden einzelnen Beitrag gesondert eingehen. Hervorgehoben aber seien auf jeden Fall noch jene Beiträge, die Betroffenen ganz konkrete Hilfestellungen geben können, erste Orientierungen – einen
Art Leitfaden sozusagen: Sanchita Basu etwa liefert Eltern eine Vielzahl möglicher Hinweise, die darauf deuten können, dass ihr Kind in der Schule oder anderswo rassistischem Mobbing ausgesetzt ist; die Dokumentation der Gespräche mit den Neuköllner Stadtteilmüttern gewährt wichtige Einblicke in »rassistische Alltagserfahrungen« und Ansatzpunkte zu deren Bewältigung und künftiger Vermeidung. Jeder einzelne Beitrag ist wichtig und steuert einen unverzichtbaren Teil bei zu einem großen Puzzle ambivalenter gesellschaftlicher Realität: Menschlichkeit im Unmenschlichen, Engagement im Gleichgültigem, Zuwendung im Abgewandten, Wärme im Kalten.

Insgesamt wird deutlich: Gewalt fällt nicht vom Himmel. Dies gilt für jede Art von Gewalt – also auch für rechte, rassistische und antisemitische Gewalt. Gewalt ist immer zumindest Ausdruck und Erscheinungsform – wenn nicht gar im engeren Sinne Folge und Ergebnis – gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, die sie möglich machen. Rahmenbedingungen und das Verhalten von Menschen wiederum (das, wie wir nur allzu gut wissen, eben auch unmenschlich sein kann …) beeinflussen sich wechselseitig: Rahmenbedingungen schaffen Voraussetzungen bzw. Anreize für das Verhalten von Menschen; Menschen wiederum können aber auch – eben durch ihr Verhalten – Rahmenbedingungen durchaus ändern. Das jedenfalls leuchtet spätestens dann ein, wenn man sich klar macht, was sich hinter dem abstrakten Begriff »gesellschaftliche Rahmenbedingungen « eigentlich konkret verbirgt: Es geht um nicht mehr – aber auch nicht um weniger – als um geschriebenes Recht, also um Gesetze, Verordnungen, Durchführungsbestimmungen etc., aber eben auch um ungeschriebene Regeln, also kulturell geprägte Wertvorstellungen, Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten.

Kurzum: Gesellschaftliche Rahmenbedingungen umfassen formelle und informelle Institutionen, die gewissermaßen den Rahmen bzw. Aktionsraum für das Verhalten von Menschen definieren. Hinzu kommen natürlich noch Institutionen im korporativen Sinne, also Organisationen wie Ministerien, Behörden usw. In einem Satz: Solange es gesellschaftliche Rahmenbedingungen gibt, die rechte, rassistische und antisemitische Gewalt möglich machen, solange es Menschen gibt, die menschenverachtende Ansichten vertreten, die menschenfeindliche Überzeugungen und unmenschliche »Wertvorstellungen« haben, solange braucht es andere Menschen mit anderen Ansichten, Überzeugungen und Wertvorstellungen, die dem entgegentreten. Menschen wie jene eben, die bei ReachOut aktiv sind. Weiter so!

Delal Atmaca


Berlin, im Dezember 2010

Dr. Delal Atmaca ist promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie ist als Lehrbeauftragte an der Martin Luther Universität Halle/ Wittenberg tätig und Diversity Trainerin.


Die Broschüre als PDF zum Herunterladen findet sich hier.


Die Broschüre ist bei ReachOut erhältlich.



2358 Aufrufe >>>

2011-03-09-Pressemitteilung zu Angriffszahlen in Berlin 2010
UserReachOut 09.03.2011, 16:07 Uhr
 Aktuelles Rassistische , antisemitische, homophobe und rechtsextreme Vorfälle und Angriffe in Berlin 2010

ReachOut, die Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, die Register und das Verzeichnis haben im Jahr 2010 Angriffe und andere Vorfälle mit rassistischem, antisemitischem, homophobem und rechtsextremem Hintergrund in Berlin recherchiert, dokumentiert und ausgewertet. Die Ostberliner Bezirke können detailliert dargestellt werden, im Westteil fehlen die entsprechenden Strukturen.

Für das Jahr 2010 registriert die Opferberatungsstelle ReachOut 109 rechtsextrem, rassistisch, antisemitisch und homophob motivierte Angriffe in Berlin. Die Zahl der bisher bekannt gewordenen gewalttätigen Angriffe und massiven Bedrohungen ist im Vergleich zu 2009 geringfügig gestiegen. Die Zahlen im Ost-West-Vergleich nähern sich an.

[moskito] Die Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus – Für Demokratie und Vielfalt hat für 2010 insgesamt 115 Vorfälle im Bezirk Pankow zusammengetragen. Insgesamt registrierte das Pankower Register 70 Propagandadelikte; 19 Vorfälle von Bedrohungen, Beleidigungen und Pöbeleien; neun Sachbeschädigungen und acht Veranstaltungen. Im Jahr 2010 kam es nach unseren Erkenntnissen zu fünf Gewaltdelikten und drei Körperverletzungen. Besonders erschreckend ist das systematische Vorgehen gegen politische Gegner/innen und das Ausmaß an propagandistischer Verharmlosung und Verherrlichung des Nationalsozialismus.

Im gesamten Jahreszeitraum 2010 wurden von der Netzwerkstelle Licht-Blicke 113 Fälle rechtsextremer Vorkommnisse aufgenommen und im Register zusammengefasst. Im vergangenen Jahr waren es 99 Fälle. Das bedeutet einen Anstieg von 14 %. Zu diesem Anstieg hat vor allem die gesteigerte Aktivität im Vorfeld des bundesweiten Neonazi-Aufmarsches am 1. Mai 2010 beigetragen. Während Propaganda etwa die Hälfte der Vorkommnisse ausmacht, ist die Anzahl der bekannt gewordenen Gewaltdelikte weiter zurückgegangen. Eine positive Entwicklung der letzten Jahre ist zudem, dass der lokalen Neonaziszene im Bezirk derzeit kein zentraler Ort zur Verfügung steht, an dem sie sich treffen und vernetzen kann.

In Treptow-Köpenick wurden im Jahr 2010 162 (2009:126) Vorfälle registriert. 70 Prozent davon sind Propagandavorfälle. Weiterhin ist der Ortsteil Niederschöneweide der Aktionsschwerpunkt der rechten Szene im Bezirk. Eine Kampagne gegen die Kneipe “Zum Henker” hat dazu geführt, dass 2010 keine Angriffe mehr im direkten Umfeld der Kneipe zu verzeichnen waren. Bei den Inhalten sind die Verharmlosung des Nationalsozialismus und Rassismus angestiegen.

Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf wurden 2010 insgesamt 53 rechtsextreme Vorfälle gemeldet. Den Schwerpunkt der registrierten Vorfälle bildet der Stadtteil Hellersdorf-Nord. Außerdem ließ sich die Partei “Bürgerbewegung pro Deutschland” im Sommer vergangenen Jahres mit dem Hauptsitz ihres Bundesverbandes im Bezirk nieder. Angesichts dessen ist davon auszugehen, dass im Wahljahr 2011 verstärkt Vorfälle mit islamfeindlichem Hintergrund im Bezirk auftreten werden.

Die Anzahl der gemeldeten Vorfälle vom Register Friedrichshain haben sich zum Vorjahr verdoppelt. Direkte Übergriffe sind leicht zurückgegangen, auch deren Brutalität ist leicht rückläufig. Durch zivilcouragiertes Eingreifen konnten einige Übergriffe verhindert werden. Im Gegenzug haben Bedrohungen und Propagandadelikte, sehr oft rassistisch geprägt, stark zugenommen. Allein in den ersten zwei Monaten 2011 wurden bereits acht Vorfälle dokumentiert. Grund zur Entwarnung gibt es daher nicht.


Die Pressemappe als PDF zum Herunterladen findet sich hier


Für Nachfragen und weitere Informationen können Sie sich direkt an die Projekte wenden.

Reach Out
Oranienstraße 159
10969 Berlin
Tel.: 030 – 695 68 339
Fax: 030 – 695 68 346
E-Mail: info@reachoutberlin.de
Internet: www.reachoutberlin.de

Register Treptow-Köpenick
c/o Villa Offensiv
Hasselwerder Str. 38 – 40
12439 Berlin
Tel.:0152–04425746
E-Mail: register-tk@web.de
Internet: www.register-tk.de

Register Friedrichshain
Kreutziger Str. 23
10245 Berlin
Tel./Fax: 030 – 74 07 88 31
Handy: 01577 – 736 99 42
E-Mail: register-friedrichshain@web.de
Internet: www.register-friedrichshain.de

Lichtenberger Register
Licht-Blicke, Netzwerk für Demokratie und
Toleranz
Ahrenshooperstraße 7
13051 Berlin
Tel.: 030 – 99 27 05 55
E-Mai: netwerk-lichtenberg@gmx.de
Internet: www.licht-blicke.org

Verzeichnis Marzahn-Hellersdorf
Stiftung SPI, Polis* Bezirkliche
Koordinierungsstelle gegen
demokratiegefährdende Phänomene
und Rechtsextremismus in Marzahn-
Hellersdorf Klausdorfer Str. 8
12629 Berlin
Tel.:030–99275096
E-Mail: polis@stiftung-spi.de
Internet: www.stiftung-spi.de/polis.html

Pankower Register
[moskito] Netzwerkstelle gegen
Rechtsextremismus – Für Demokratie und
Vielfalt
Fehrbelliner Str. 92
10119 Berlin
Tel.: 030 – 44 38 34 59
Fax: 030 – 443 71 71
E-Mail: moskito@pfefferwerk.de
Internet: www.pankower-register.de



1712 Aufrufe >>>

2011-03-09 Pressemitteilung ReachOut-Angriffszahlen 2010
UserReachOut 09.03.2011, 16:27 Uhr
 Aktuelles Pressemitteilung

Für das Jahr 2010 registriert die Opferberatungsstelle ReachOut 109 rechtsextrem, rassistisch, antisemitisch und homophob motivierte Angriffe in Berlin.

Die Zahl der bisher bekannt gewordenen gewalttätigen Angriffe und massiven Bedrohungen ist im Vergleich zu 2009 gestiegen.

Die Zahlen im Ost-West-Vergleich nähern sich an.


Berlin, 9. März 2011

ReachOut, die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, verzeichnet für das Jahr 2010 insgesamt 109 Angriffe in Berlin. Bis März des vergangenen Jahres wurden 102 Angriffe für 2009 registriert.
Von den 109 Angriffen sind in der „Chronik rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Angriffe und Bedrohungen“ (www.reachoutberlin.de) 92 Fälle dokumentiert. Einige der Opfer lehnen aus Angst vor weiteren Gewalttaten jede Form der Veröffentlichung des Angriffs zunächst ab.

Zum ersten Mal seit der Gründung der Beratungsstelle vor fast zehn Jahren stellen wir fest, dass das Verhältnis der Angriffszahlen (mit steigender Tendenz) im Westen und im Osten (mit fallender Tendenz) sich annähert. 50 Angriffe (2009: 36) fanden in den Westbezirken statt.

In Neukölln finden inzwischen neben Friedrichshain (16) die meisten Angriffe statt. Sie richten sich mehrheitlich gegen politische Gegner_innen (7 von 15).
Während sich in den vergangenen Jahren in Friedrichshain die Angriffe ebenfalls in erster Linie gegen politische Gegner_innen richteten, finden dort jetzt am häufigsten rassistisch motivierte Angriffe statt (9 von 16).

Bei mehr als der Hälfte aller Angriffe ist Rassismus das Tatmotiv (2010:57, 2009:53). Daran hat sich im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert.

20 Gewalttaten trafen Linke (2009: 15), vor allem Antifaschist_innen. 10 Angriffe richteten sich gegen nicht-rechte, alternative Jugendliche und Erwachsene (2009:12) Die Zahl der Angriffe gegen Homosexuelle (10) haben sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Die antisemitisch motivierten Angriffe (8) sind um einen Angriff höher. 6 von 8 antisemitisch motivierten Angriffen fanden in den Westbezirken statt.
58 (2009: 50) Angriffe fanden im öffentlichen Raum statt. Insgesamt 27 (2009: 29) Gewalttaten wurden in öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen verübt. 14 Angriffe fanden im unmittelbaren Wohnumfeld statt (2009: 9).

Mitte landet mit 12 (2009: 7) Gewalttaten im Jahr 2010 auf Platz drei der Angriffsstatistik. In Kreuzberg haben sich die Angriffe im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt (2010: 10 ;2009: 5). 8 Attacken wurden für Lichtenberg dokumentiert. Es folgen Wedding mit 7 Angriffen (2009: 9) und Charlottenburg mit 5 (2009: 3). Jeweils 4 Angriffe zählen wir in Treptow, (2009: 7), Schöneberg (2009: 4), Hellersdorf (2009:3), Marzahn (2009: 4). In Spandau (2009:0), Köpenick (2009:5) und Weißensee (2009:3) fanden je 3 Angriffe statt.


Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Helga Seyb


Zum Herunterladen


Download Pressemitteilung-ReachOut-Angriffszahlen-2010.PDF

Download ReachOut Statistik-2008-2010.PDF

Download Angriffsorte-2010.PDF

Download Tatmotiv-2010.PDF

Download Bezirke-Angriffe-2010.PDF

Download Bezirke-Tatmotiv-2010.PDF

Download Ost-West-2010.PDF





1800 Aufrufe >>>

2011-03-09 Einladung zum Pressegespräch
UserReachOut 03.03.2011, 16:19 Uhr
 Aktuelles Keine Entwarnung bei Vorfällen und Angriffen mit rassistischem, antisemitischem und rechtsextremem Hintergrund - Die Register, das Verzeichnis und ReachOut, die Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, stellen gemeinsam ihre Zahlen für das Jahr 2010 vor.

9. März 2011, 11 Uhr, Nachbarschaftshaus am Teutoburger Platz
(Fehrbelliner Str. 92, 10119 Berlin)


ReachOut, die Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, die Register und das Verzeichnis haben im Jahr 2010 Angriffe und andere Vorfälle mit rassistischem, antisemitischem, homophobem und rechtsextremem Hintergrund in Berlin recherchiert, dokumentiert und ausgewertet.

Anders als ReachOut dokumentieren die Register und das Verzeichnis neben gewalttätigen Angriffen und massiven Bedrohungen, auch solche Vorfälle, die nicht zur Anzeige gebracht werden, weil sie keinen Straftatbestand erfüllen. Dazu gehören Pöbeleien auf der Straße, das Kleben von Aufklebern oder das Durchführen von Veranstaltungen, die einen diskriminierenden oder rechtsextremen Hintergrund haben. Ziel der Register und des Verzeichnisses ist es, auch alltägliche Formen von Diskriminierung sichtbar zu machen. Register und ein Verzeichnis gibt es in den Berliner Stadtbezirken Pankow, Lichtenberg-Hohenschönhausen, Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Friedrichshain.

Die Arbeit der Projekte und die Ergebnisse für das Jahr 2010 wollen wir Ihnen bei einem gemeinsamen Pressegespräch vorstellen. Dort werden Vertreter_innen aller Projekte anwesend sein und für Ihre Fragen zur Verfügung stehen.

Für Nachfragen und weitere Informationen können Sie sich darüber hinaus direkt an die Projekte wenden.

Register Treptow-Köpenick
c/o Villa Offensiv
Hasselwerder Str. 38 -- 40
12439 Berlin
Tel.:0152--04425746
E-Mail: register-tk@web.de
Internet: www.register-tk.de

Pankower Register
[moskito] Netzwerkstelle gegen
Rechtsextremismus -- Für Demokratie und
Vielfalt
Fehrbelliner Str. 92
10119 Berlin
Tel.: 030 -- 44 38 34 59
Fax: 030 -- 443 71 71
E-Mail: moskito@pfefferwerk.de
Internet: www.pankower-register..de

Lichtenberger Register
Licht-Blicke, Netzwerk für Demokratie und
Toleranz
Ahrenshooperstraße 7
13051 Berlin
Tel.: 030 -- 99 27 05 55
E-Mai: post@licht-blicke.org
Internet: www.licht-blicke.org

Verzeichnis Marzahn-Hellersdorf
Stiftung SPI, Polis* Bezirkliche
Koordinierungsstelle gegen
demokratiegefährdende Phänomene und
Rechtsextremismus in Marzahn-Hellersdorf
Klausdorfer Str. 8
12629 Berlin
Tel.: 030 -- 99 27 50 96
E-Mail: polis@stiftung-spi.de
Internet: www.stiftung-spi.de/polis.html

Register Friedrichshain
Kreutziger Str. 23
10245 Berlin
Tel./Fax: 030 -- 74 07 88 31
Handy: 01577 -- 736 99 42
E-Mail: register-friedrichshain@web.de
Internet: www.register-friedrichshain

Download Pressegespräch-9-3-2011.PDF




1764 Aufrufe >>>

2011-03-05 Demonstration
UserReachOut 01.03.2011, 16:17 Uhr
 Aktuelles PRESSEMITTEILUNG

Am 28.02.2010 wurde Slieman Hamade bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Schöneberg tödlich verletzt. Die Umstände seines Todes sind bis heute ungeklärt. Zum Gedenken an Slieman und mit der Forderung nach lückenloser Aufklärung seines Todes, rufen seine Familie und ein breites Bündnis auf, zur Demonstration:

"In Gedenken an Slieman Hamade. Gemeinsam gegen Polizeigewalt in Berlin und Überall"

am Sonnabend, den 05.03.2011 um 17 Uhr

U-Bahnhof Bülowstraße


_Was war passiert?_

Am frühen Morgen des 28.02.2010 alarmieren Slieman Hamades Eltern die Polizei. Sie wünschen sich Hilfe. Ihr Sohn kann nicht schlafen, die Musik der Nachbarn ist zu laut und er ist wütend. Seine Familie hat Angst, dass es Streit mit den Nachbarn gibt. Die Polizei kann Slieman Hamade nicht gegen seinen Willen mitnehmen. Als sein Vater sagt, Slieman könne nicht zu Hause bleiben, zerren ihn die Polizisten ins Treppenhaus und verletzen ihn beim Versuch der Fesselung. Er blutet im Gesicht. Ein Polizist versprüht Reizgas im gesamten Hausflur und schlägt Slieman Hamade brutal mit dem Schlagstock gegen die Beine. Das Gas ist überall, niemand kann die Wohnung verlassen, keiner kann helfen. Slieman Hamade schreit und schreit, aber plötzlich ist es still. Die anrückenden Sanitäter versuchen Slieman Hamade wiederzubeleben, aber er stirbt im Krankenhaus. Slieman Hamade wurde 32 Jahre alt.

Die Staatsanwaltschaft hat am 30.04.2010 die Ermittlungen gegen die Polizei eingestellt. Das haben Familie und Freund_innen nicht hingenommen. Durch ihren Kampf wurden die Ermittlungen im Februar 2011 wieder aufgenommen.

Die Familie und ein breites Bündnis rufen auf zur Demonstration: Gegen Polizeigewalt, gegen staatliches Töten, gegen Täterjustiz!

Die Familie wird vertreten durch die Rechtsanwältin Frau *Beate Böhler*,
Tel.: 030-61403368

/(Klaus Jürgen Rattay, Halim Dener, Oury Jalloh, Dennis Jeckel, Slieman
Hamade -- Wir werden Euch nicht vergessen! )/


Kontakt:
Helga Seyb Tel: 030-69568339, Mob.:01755447567
Biplab Basu, Tel: 03069568339, Mob.: 01795441790



1560 Aufrufe >>>

2011-02-09 Über 1.500 Stimmen protestierten gegen die "Extremismusklausel"
UserReachOut 09.02.2011, 16:31 Uhr
 Aktuelles Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer des Aktionstags,
Liebe Freundinnen und Freunde,
Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dieser E-Mail wollen wir uns zu allererst ganz herzlich bei Ihnen
und Euch für Ihr und Euer Engagement gegen die undemokratische
"Bespitzelungserklärung" des Bundesfamilienministeriums bedanken.

Über 1.500 Organisationen und Einzelpersonen haben sich mit Briefen,
E-Mails und Pressemitteilungen sowie durch internet-basierte soziale
Netzwerke wie Facebook am Protest gegen die "Bespitzelungsklausel" des
Bundesfamilienministeriums für die Projekte gegen Rechtsextremismus,
Rassismus und Antisemitismus beteiligt. Sie alle forderten
Familienministerin Schröder und Bundeskanzlerin Merkel auf, die Klausel
aus den Förderbescheiden der Projekte ersatzlos zu streichen.

Besonders gefreut haben wir uns über die Vielfalt und gesellschaftliche
Breite der Proteste:

Neben den Bundestagsfraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und DIE
LINKE sowie zahlreichen Landtagsfraktionen der Opposition und den
Gewerkschaften beteiligten sich viele zivilgesellschaftliche
Initiativen, lokale Bündnisse gegen Rechts, Bildungsträger,
Wissenschaftler/innen, Wohlfahrtsverbände und zahlreiche Einzelpersonen
an den Protesten -- so u.a. die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und
Rechtsextremismus, der Verein Gesicht zeigen!, der Republikanische
Anwältinnen- und Anwälteverein e.V., die Julius-Rumpf-Stiftung aus
Hessen, das Haus der Demokratie und Menschenrechte sowie der Leiter des
Zentrums für Antisemitismusforschung, Prof. Wolfgang Benz.

Auf der Webseite aktionstaggegenbekenntniszwang.blogsport.de können
Sie/könnt Ihr einige der Erklärungen, die bei den Initiatoren des
Aktionstags eingegangen sind, nachlesen. So schreibt beispielsweise die
Rüsselsheimer Initiative gegen Rechtsextremismus, für Menschlichkeit und
Toleranz an Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Engagierte Gegner von
Rechtsextremismus und Rassismus sind aktive Verteidiger der Demokratie.
Sie zu Misstrauen, Bespitzelung und Gesinnungsüberprüfung gegenüber
allen Partnern, Beteiligten und Unterstützern zu verpflichten, arbeitet
zivilgesellschaftlichem Engagement entgegen, schwächt die Abwehr von
Rechtsextremismus und ist Demokratie schädigend".

Der Republikanische Anwältinnen- und Anwälteverein e.V. bemerkt: "Aus
unserer eigenen Arbeit sowie aus vielen Berichten von Rechtsanwältinnen
und Rechtsanwälten, die Opfer rechtsextremistischer Gewalt gerichtlich
oder außergerichtlich vertreten haben, wissen wir um die unschätzbare
Arbeit dieser Initiativen für den Aufbau und die Stärkung
zivilgesellschaftlicher Strukturen wie auch bei der konkreten
Unterstützung von Betroffene".

Und stellvertretend für die vielen Einzelpersonen möchten wir hier die
Sozialpsychologin Dr. Jäckle aus Berlin zitieren, die an Angela Merkel
u.a. schrieb: "Wir sollten aus unserer deutschen Geschichte so viel
gelernt haben, dass antifaschistisches Engagement, gerade junger
Menschen, das Gegenteil von Demokratiefeindlichkeit ist. Meines
Erachtens sollte ein solches mutiges zivilgesellschaftliches Engagement
ein Grund sein, stolz auf diese (jungen) Menschen zu sein, da sie sich
für unsere Demokratie vor Ort einsetzen und sie lebendig und vielfältig
erhalten", sowie Frau Ehricht von Miphgash e.V., die anmerkt
"Insbesondere vor dem Hintergrund meiner eigenen Sozialisation als
Christin in der DDR bin ich zutiefst irritiert und empört darüber, nun
ausgerechnet im Namen der Freiheitlich-demokratischen Grundordnung zur
Bespitzelung und Protokollierung dieser Bespitzelungstätigkeiten
aufgefordert zu werde".




1441 Aufrufe >>> weiterlesen... '2011-02-09 Über 1.500 Stimmen protestierten gegen die "Extremismusklausel"'

2011-02-09 Presseerklärung: Verhalten der Polizei verletzt mehr als vorhergehender Angriff
UserReachOut 09.02.2011, 16:38 Uhr
 Aktuelles Ein Mann greift zwei Frauen an – Polizisten raten von Anzeige ab

Am 31. Januar 2011 hat ein Mann zwei Berlinerinnen iranischer Herkunft
an der Tauentzien Straße angegriffen. Eine der beiden Frauen zog er an
den Haaren, bis deren Freundin ihn weg ziehen konnte. Der Angreifer
schubste daraufhin die Freundin und versuchte dann, die andere Frau zu
würgen. Eine Zeugin ging jedoch dazwischen.

Die Frauen sprachen drei Beamte der Bundespolizei auf der Straße an, die
sie befragten, sich aber für eine Anzeige als nicht zuständig erklärten.
Die Polizisten fragten die Opfer, warum sie Anzeige erstatten wollten,
obwohl sie nicht verletzt seien. Weiter rieten sie von einer Anzeige ab,
da der Gerichtsweg langwierig und teuer sei. Während des Gesprächs
näherte sich der Angreifer erneut einer der Frauen, legte seine Hand auf
ihre Schulter, weil er mit ihr sprechen wollte. Dass die Frau schrie, er
solle sie nicht anfassen, ignorierten die Polizeibeamten.

Erst als eine der Geschädigten selbst die zuständige Polizei alarmieren
wollten, riefen die Bundespolizisten ihre Kollegen. Auch diese weigerten
sich zunächst, eine Anzeige aufzunehmen; taten dies jedoch schließlich.
Umstehende Personen – und somit mutmaßliche Zeug_innen – hatten die
Polizisten weg geschickt. Sie nahmen auch die Personalien der Zeugin
nicht auf, die den Angreifer daran gehindert hatte, eine der Frauen zu
würgen.

Die Polizisten begleiteten den Angreifer und dessen Frau zu deren Wagen
und händigten ihm einen Zettel aus; die Opfer erhielten weder eine
Aktennummer über die Anzeige, noch eine Dienstnummer der Beamten, obwohl
sie danach fragten. Erst als eine der beiden sich das Kennzeichen des
Dienstwagens notieren wollte, händigte ein Beamter ihr seine Karte aus.
Zum Auto wurden sie nicht begleitet.

„Das Verhalten der Polizei hat unsere Gefühle mehr verletzt als der
Angriff selbst”, sagt eine der beiden Frauen. Sie hatten zuvor ein
Fastfood-Restaurant betreten wollen, dessen Tür der Täter zurzeit
aufgehalten hatte. Obwohl sie nicht durch die Tür gingen, schrie der
Mann, er habe die Tür nicht für sie aufgehalten, und griff dann eine der
beiden Frauen an.

Die Opfer haben inzwischen Anzeige nicht nur gegen den Angreifer,
sondern auch gegen die Beamten von Bundes- und Landespolizei erstattet.

Für Ihre Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Helga Seyb Hannah Eitel

ReachOut Oranienstraße 159 10969 Berlin (Kreuzberg) U-Bahnhof Moritzplatz (U8) Tel.: 030/ 695 68339 Fax.: 030/ 695 68346 www.reachoutberlin.de info@reachoutberlin.de

Download Presseerklärung.PDF


1634 Aufrufe >>>

<   1234567891011121314151617   >

Videos

Letzte Neuigkeiten
 Neue Artikel
image 2013-05-15 Berlin-Treptow
image 2013-05-12 Berlin-Schöneberg
image 2013-05-11 Berlin-Friedrichshain
image 2013-05-11 Berlin-Reinickendorf S-Ba...
image 2013-05-09 Berlin-Marzahn

Spendenkonto
ARIBA e.V./ReachOut bei der Bank für Sozialwirtschaft Bankleitzahl: 100 205 00 Konto: 3 24 48 01

 
Adresse: Oranienstraße 159, 10969 Berlin. U8 Moritzplatz
Email: info@reachoutberlin.de, Tel.-Nr. 030/ 695 68 339, Fax: 030/ 695 68 346

Reachout ist ein Projekt von ARIBA e.V. und wird gefördert durch das Berliner "Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" und im Rahmen des Bundesprogramms "Förderung von Beratungsnetzwerken - Mobile Intervention gegen Rechtsextremismus".