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Thema: Presseschau

In der Rubrik 'Presseschau' sind Presseberichte dokumentiert, in denen ReachOut erwähnt wird, und Beiträge von Mitarbeiterinnen von ReachOut:

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2013-04-08 Suche nach Motiv
UserReachOut 10.04.2013, 15:48 Uhr
Presseschau Junge Welt

Ein Jahr nach Mord an Burak Bektas in Berlin: Initiative für Aufklärung weist auf Racheaufrufe für Tod eines Rechtsextremen fast auf den Tag genau 20 Jahre zuvor hin

Burak Bektas wäre heute 23 Jahre alt. Ein Jahr, nachdem der türkischstämmige Berliner im Stadtbezirk Neukölln von einem Unbekannten erschossen wurde, haben dort am Samstag rund 500 Menschen mit einer Gedenkdemonstration an ihn erinnert. Die »Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B.«, ein Zusammenschluß von Angehörigen, Freunden und Nachbarn sowie antirassistischen Gruppen und Mitarbeitern der Opferberatungsstelle Reachout, hatte dazu aufgerufen und offene Fragen an die Ermittlungsbehörden formuliert. Nach einer Schweigeminute vor der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm zogen die Demonstrationsteilnehmer vor das Rathaus des Bezirks und zum Hermannplatz.

In der Nacht vom 4. zum 5. April 2012 hatte ein laut Täterbeschreibung 40 bis 60 Jahre alter Mann vor dem Krankenhaus Neukölln das Feuer auf eine Gruppe junger Männer eröffnet und den 22jährigen Burak Bektas mit einem Lungendurchschuß getötet. Alexander A., ein 16jähriger russischer Herkunft, und der arabischstämmige 17jährige Markus Jamal A. wurden lebensgefährlich verletzt. Zwei weitere junge Männer verfehlte der Mörder.

Konkrete Hinweise auf den oder die Täter gibt es laut Staatsanwaltschaft bis heute nicht – trotz Vorstellung des Falls in der Fernsehsendung »Aktenzeichen XY«. Als sicher gilt bisher nur, daß Täter und Opfer sich nicht kannten. Mit der wiederholten Aussage, es werde in alle Richtungen ermittelt, wollten und wollen sich viele nach Bekanntwerden der rassistisch motivierten Mordserie des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) nicht zufrieden geben.

»Fünf Schüsse, wortlos. Niemand kann es verstehen. Auch wir haben keine Erklärung. Dafür aber viele Fragen. Vor allem fragen wir uns: War Rassismus wieder das Motiv?«, sagte ein Sprecher der Initiative für die Aufklärung des Mordes ein Jahr später in einem Redebeitrag. Der Täter laufe noch immer frei herum und könne mit Waffen umgehen. »Unabhängig davon, ob der Mörder ein organisierter Neonazi war, ein ›normaler‹ Rassist oder auch jener verrückte Einzeltäter, der die Polizei in alle Richtungen ermitteln läßt, schafft der Mordanschlag eine breite Verunsicherung auf den Straßen, vor allem unter den Jugendlichen.«

Als mögliches Indiz für ein rassistisches Mordmotiv sieht die Initiative neben langjährigen Neonaziaktivitäten im Stadtteil vor allem die zeitliche Nähe zum 20. Todestag des rechtsextremen Funktionärs Gerhard Kaindl. Der Landesschriftführer der »Deutschen Liga für Volk und Heimat« war am 4. April 1992 bei einer Auseinandersetzung mit türkisch- und kurdischstämmigen Antifaschisten in einem Neuköllner Restaurant tödlich verletzt worden. 1994 wurden dafür drei Personen wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu Haftstrafen verurteilt, einer der Hauptverdächtigen konnte sich absetzen und starb nach unterschiedlichen Angaben 1994 oder 1996 in den kurdischen Gebieten der Türkei.

Nur wenige Tage vor dem Mord an Burak Bektas bezeichnete das NPD-Zentralorgan Deutsche Stimme Kaindls Tod als »ungesühnt«. In rechtsextremen Internetforen sei immer wieder zu Racheakten aufgerufen worden, betont die »Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B.«

Eine Pressesprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Berlin versichert unterdessen, bei den Ermittlungen sei »auch die Möglichkeit eines rassistischen Motivs in Betracht gezogen« worden. Es hätten sich aber keinerlei Hinweise darauf ergeben. Weil der Täter weiterhin unbekannt sei, könne aber ein solcher Hintergrund – wie auch jedes andere Tatmotiv – nicht ausgeschlossen werden. »Solange nicht der Gegenbeweis erbracht ist, gehen wir davon aus, daß es auch ein rassistisches Motiv gewesen sein könnte«, sagte Helga Seyb von der Opferberatungsstelle Reachout am Samstag in Neukölln. CLAUDIA WANGERIN

http://www.jungewelt.de/2013/04-08/028.php


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2013-04-08 Gedenken an Burak B
UserReachOut 10.04.2013, 16:11 Uhr
Presseschau neukoellner.net

Etwa 500 Menschen erinnerten am Wochenende in Neukölln an Burak B., der vor einem Jahr erschossen wurde. Es gibt noch immer keine Spur vom Täter und auch die Frage, ob es sich um einen rassistische Tat handelt, bleibt offen.

Ein Jahr ist es her, als Burak B. erschossen wurde, in der Nacht vom 4. auf den 5. April 2012: Der 22-jährige Burak B. stand mit seinen Freunden an einer Bushaltestelle in Neukölln Britz, als ein Unbekannter auf die Gruppe zutrat, schoss, sich umdrehte und verschwand. Einfach so. Burak B. erlitt einen Lungendurchschuss und starb, zwei seiner Freunde wurden schwer verletzt.

Noch immer ist die Tat nicht aufgeklärt, schlimmer noch – es gibt nicht die geringste Spur vom Täter und kein Motiv. Am Samstag gedachten etwa 500 Menschen dem ermorderten Burak B. am Columbiadamm in Neukölln. Die Initiative “Für die Aufklärung des Mordes an Burak B.” hatte zum Gedenkmarsch aufgerufen. Die Initiative besteht aus Freunden und Angehörigen Burak B´s, antirassistischen Initiativen und der Opferberatung ReachOut.

Die Teilnehmer stellten vor allem die eine Frage, ob es wieder ein rassistischer Anschlag war. Buraks Familie stammt aus der Türkei, seine Freunde haben ebenfalls einen Migrationshintergrund. Die Behörden sagen “sie ermittelt in alle Richtungen”, es gebe weder Hinweise auf einen rassistischen Anschlag, noch könne man diesen ausschließen.

Der Mord an Burak B. erinnert sehr an das Vorgehen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Als Burak B. ermordet wurde, war die Mordserie der rechtsterroristischen NSU gerade mal ein halbes Jahr bekannt. Auf dem Gedenkmarsch wurde in Redebeiträgen gefordert, dass man aus dem NSU-Skandal lernen und allen Informationen nachgehen solle. MIRJAM SCHMITT

http://www.neukoellner.net/alltag-anarchie/gedenken-an-burak-b/



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2013-04-07 War Rassismus das Tatmotiv?
UserReachOut 10.04.2013, 16:26 Uhr
Presseschau Neues Deutschland

500 Menschen bei Gedenkdemonstration für Mordopfer Burak B.

Am Wochenende jährte sich die Ermordnung des 22-jährigen Burak B. Hunderte Menschen nahmen an der Gedenkdemonstration teil und erneuerten die Forderung an die Ermittlunsgbehörden, ein rassistisches Tatmotiv nicht außer Acht zu lassen.

Ein Jahr nach den tödlichen Schüssen auf den 22-jährigen Burak B. haben bei einer Demonstration am Sonnabend in Neukölln rund 500 Menschen eine Aufklärung des Mordes angemahnt. »Rassismus – wieder das Motiv?«, wurde auf dem Fronttransparent gefragt. Ein Bündnis aus linken Gruppen, Angehörigen und Freunden von Burak B. sowie der Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt, Reach Out, hatte zu der Aktion aufgerufen. Die Erinnerung an das Mordopfer stand im Mittelpunkt der Aktion. Im Aufruf hieß es: »Wenn ein Mensch auf offener Straße in Berlin ermordet wird, geht uns das alle an.«

Die Demonstration startete nachmittags an der Şehitlik-Moschee am Columbiadamm und zog von dort über das Rathaus Neukölln zum Hermannplatz. »Es wäre so wichtig, dass der Mörder endlich gefunden wird, damit die Unsicherheit für die Familie ein Ende hat«, sagte Murat, ein Cousin von Burak B., am Rande der Demonstration dem »nd«. Seine Befürchtung: »Es kann sein, dass der Täter weiter bei uns in der Nachbarschaft wohnt, dort herumläuft und vielleicht wieder morden wird.« In der Familie herrsche Verzweiflung, weil es nach einem Jahr immer noch keine Ermittlungserfolge gebe. Aktionen wie die Demonstration würden jedoch Hoffnung geben: »Die Familie ist nicht allein, das zeigt sich heute. Gemeinsam werden wir den Täter finden.«

Etliche Demonstranten machten ihre Forderungen und Fragen in Richtung der Polizei laut: »Wurde ein rassistisches Motiv untersucht« oder »Wurde die Waffe schon früher benutzt?« Mehrere Redner wiesen darauf hin, dass in Neukölln eine große und militante Neonaziszene existiert, die unter anderem für etliche Brandanschläge verantwortlich ist. Am Abend vor dem Mord habe es zudem einen antifaschistischen Infoabend in Neukölln gegeben, in dessen Nähe Neonazis beim Auskundschaften beobachtet worden seien. Für die Demoorganisatoren steht in Frage, ob die Polizei einen Zusammenhang mit dem späteren Mord sorgfältig genug überprüft hat.

»Die Art und Weise, wie die Tat vonstatten ging, legt die Vermutung nahe, dass es ein rassistischer Mord gewesen sein kann«, sagte Helga Seyb, Mitarbeiterin der Beratungsstelle Reach Out – die Vorgehensweise des Täters ähnele jenen bei den Morden des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU). Die Polizei hat bisher keine Tatverdächtigen ermitteln können. Bei einem Besuch bei der Familie von Burak am Mittwoch hatte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) betont, dass weiter »in alle Richtungen« ermittelt werde und auch ein rassistisches Motiv nicht ausgeschlossen wird. Seyb kommentierte: » Aus den NSU-Morden haben wir gelernt, dass man den Ermittlungsbehörden nicht ohne weiteres trauen kann, bis es eine wirkliche Aufklärung gibt.«

Die Angehörigen der NSU-Opfer seien von Behörden und Öffentlichkeit damals ignoriert und verdächtigt worden. »Auch wegen dieser bitteren Erkenntnis müssen wir jetzt Verantwortung übernehmen, uns engagieren und Aufklärung fordern.« Seyb ermutigte Angehörige von Opfern ähnlicher Taten, sich an Beratungsstellen wie Reach Out zu wenden.

In der Nacht auf den 5. April 2012 war Burak B. mit vier Freunden an der Rudower Straße in der Nähe des Klinikum Neukölln unterwegs. Ein Mann trat wortlos an die jungen Leute heran und feuerte mit einer Pistole in die Gruppe. Der aus einer türkischen Zuwandererfamilie stammende Burak B. erlitt einen Lungendurchschuss und starb wenig später im Krankenhaus. Zwei seiner Freunde, Alex. A. und Jamal A., wurden ebenfalls getroffen und überlebten schwer verletzt.

Die Polizei hat für Hinweise auf den Täter eine Belohnung von bis zu 15 000 Euro ausgesetzt. Im Februar wurde der Fall auch in der Fernsehsendung »Aktenzeichen XY« behandelt. SVEN KAMES

http://www.neues-deutschland.de/artikel/817950.war-rassismus-das-tatmotiv.html




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2013-04-06 Reine Routine
UserReachOut 11.04.2013, 14:56 Uhr
Presseschau Tageszeitung

WEDDING Es war ein netter Abend im afrikanischen Vereinslokal. Bis die Polizei kam und alle Gäste überprüfte. Aus Rassismus?

Sonja Prinz kann noch heute die Stimmung des Abends beschreiben, als die Polizei plötzlich in die Tür des afrikanischen Vereinslokals trat und dieses für anderthalb Stunden abgeriegelte. "Wie ein Eisblock" sei es in dem Raum gewesen, sagt die blonde Rastaträgerin. Verängstigt hätten die rund 20 Besucher zusammengesessen. Der Abend sei danach hinüber gewesen.

Es ist das afrikanische Berlin, das sich in dem kleinen Weddinger Ecklokal trifft, dem "One Africa" in der Ofener Straße. Zusammen wird dort an Tischen gesessen, gekocht und getanzt, am langen Tresen geplaudert. So auch an diesem Abend kurz vor Ostern. Bis die acht Beamten gegen 21.30 Uhr in der Tür standen.

Nur ein Vorwand?

Als "Gewerbekontrolle" hätten die Polizisten ihren Besuch begründet, erzählt Sonja Prinz, die Vorsitzende des Vereins "New Generation", der sich ausgerechnet für den Abbau von Vorurteilen gegenüber Afrikanern einsetzt. Dann aber hätten die Beamten auch die Ausweise aller Gäste sehen wollen. Heute ist Prinz überzeugt: Es war ein anderes Motiv, das zu dem Einsatz führte. "Das wirkte alles wie ein Vorwand, um Menschen schwarzer Hautfarbe zu überprüfen."

Warum sonst, fragt Prinz, sei nicht das Ordnungsamt gekommen, wenn es wirklich um eine Gewerbegenehmigung gegangen wäre? Warum brauche es dafür die Ausweise der Gäste, allesamt Afrikaner an diesem Abend? "Das macht keinen Sinn." Außer, so Prinz, es handle sich um "racial profiling", rassistische Polizeikontrollen.

Anruf bei der Polizei. "Das war eine ganz normale Lokalbegehung", weist ein Sprecher den Vorwurf zurück. Es sei unklar gewesen, wer das Lokal betreibe. Auch zwei andere Läden in der Nähe seien überprüft worden, "alles im üblichen Rahmen." Und warum die Kontrolle der Gäste? Das, sagt der Sprecher, könne er nicht genau sagen. Wahrscheinlich wegen Verdachts auf Betäubungsmittel.

Es sind Sätze wie dieser, die Sonja Prinz umso mehr aufregen. "Alle Gäste drogenverdächtig? Weil sie schwarz sind?" Zudem liege eine Gewerbeanmeldung vor, die Papiere seien bereits vor Monaten kontrolliert worden: "Da war alles korrekt." Das hätten auch die Beamten irgendwann bemerkt und sich schließlich entschuldigend verabschiedet.

Bei der Beratungsstelle "ReachOut", die sich um Opfer rassistischer Gewalt kümmert, sieht man es damit nicht getan. "Der Polizeieinsatz war ganz klar rassistisch motiviert", kritisiert Mitarbeiter Biplab Basu. Gewerbekontrollen "macht das Gewerbeamt und nicht die Polizei." Und für Ausweiskontrollen müsse ein Verdacht gegen jeden persönlich vorliegen, nicht kollektiv.

Im "One Africa" berät man noch, wie man nun vorgehen soll - vielleicht mit einem Brief an den Polizeipräsidenten. Hatte doch schließlich dessen Chef, der CDU-Innensenator Frank Henkel, erst kürzlich im Abgeordnetenhaus versichert: "Racial profiling" gebe es in dieser Stadt gar nicht. KONRAD LITSCHKO

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bt&dig=2013%2F04%2F06%2Fa0235&cHash=58a19b8f4e2633418088ec1bfb48d85b



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2013-04-06 Hunderte Menschen gedenken des ermordeten Burak Bektas
UserReachOut 10.04.2013, 15:31 Uhr
Presseschau Tagesspiegel

Ein Jahr ist es her, als Burak Bektas in der Nacht zu Gründonnerstag an einem Lungendurchschuss starb. Noch immer fehlt von den Tätern oder dem Motiv jede Spur - nun wurde seiner mit einer Gedenkveranstaltung gedacht.

Normalerweise brausen die Autos über den Columbiadamm, großstädtische Geschäftigkeit. Doch an diesem Sonnabend haben sich etwa 250 Menschen vor der Sehitlik-Moschee eingefunden, sie gedenken Burak Bektas. Um 14 Uhr beginnt ihre Demonstration mit einer Schweigeminute. In die Stille erhebt sich dann eine Stimme, die Eltern und Geschwister des Ermordeten werden begrüßt. Der Zug läuft los, bedächtig. Vorm Rathaus Neukölln dann verkünden Sprechchöre den Wunsch nach Klarheit: „Findet den Mörder!“ skandieren viele.

Dort gibt es Reden und eine Kundgebung, auch später nochmal am Hermannplatz – eine Verarbeitung des Geschehenen und ein Appell an die Behörden, weiter und noch intensiver zu suchen.

Dass die Polizei „in alle Richtungen ermittelt“, wie sie öffentlich immer sagt, ist vielen der Betroffenen hier zu wenig. Sie wollen Aufklärung, Klarheit, immer wieder ist der Appell zu hören, dass noch mehr in Neonazikreisen ermittelt werden solle.

Burak Bektas war in der Nacht zu Gründonnerstag vor einem Jahr von einem unbekannten Täter an der Rudower Straße in Buckow erschossen worden. Dieser hatte auf eine Gruppe junger Männer an der Bushaltestelle gefeuert, zwei lebensgefährlich verletzt, der 22-Jährige Buckower Bektas erliegt seinem Lungendurchschuss im Vivantes-Klinikum Neukölln, das dem Tatort gegenüber liegt.

Der Schütze verschwindet durch den Möwenweg, eine kleine Seitenstraße – im Nichts. Die Polizei weiß kaum etwas über ihn. Auf der Fahndungsseite wird er so beschrieben: „männlich, 170 - 180 cm groß, 40 - 60 Jahre alt, bekleidet mit einer dunklen, eventuell zweifarbigen Jacke, Basecap oder Kapuze tragend“. Das dürfte auf – geschätzt – hunderttausende Berliner passen. Die Staatsanwaltschaft hat 15 000 Euro Belohnung ausgesetzt.

„Findet den Mörder!“, rufen auch Buraks Eltern und Geschwister. Freunde, Verwandten, Kollegen laufen mit und viele Berliner aus Solidarität. Demonstranten haben Fotos von Bektas an ihre Jacken geheftet, Freunde von ihm hatten diese vorher verteilt. „Sie waren doch erst um die Zwanzig, sie wollten leben“, heißt es immer wieder. Einige Menschen tragen Plakate, auf einem Banner steht: „Zum Gedenken an Burak - Rassismus wieder das Motiv?“. Andere Transparente prangern ein mögliches Versagen der Polizei an.

Aufgerufen zu dem Gedenkprotest hatte die „Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B.“. Zu ihr haben sich unter anderem Freund und Familie, Antifa-Gruppen und die Beratungsstelle ReachOut zusammengeschlossen; die Gedenkdemo unterstützen auch Sportler von Türkiyemspor. Der Zug hält sogar zwischendurch an, als türkische Medien ihre Mikrofone in die Menge reichen, die Eltern von Burak Bektas interviewen.

Die Menschen laufen dann weiter über den in westlicher Richtung gesperrten Columbiadamm die Flughafenstraße herunter bis zum Rathaus Neukölln. Mehr als 300 Personen sind jetzt dabei. Ein Aspekt, von dem übers Mikro berichtet wird, ist neu: Am Abend vor dem Mord habe es in Gropiusstadt einen antifaschistischen Abend geben. Teilnehmer wollen dort Neonazis gesehen haben, die die Veranstaltung beobachtet haben sollen. In Richtung der Polizisten, die sich sehr im Hintergrund halten, geht die Frage, ob dies bekannt sei – und ob in diese Richtung ermittelt werde. Ob und wie diese Beobachtung mit der Tat zu tun hat, kann aber noch niemand sagen.

Der Mord an Burak Bektas ist auch nach einem Jahr einer der rätselhaftesten Kriminalfälle Berlins. Denn das Motiv ist völlig offen, die Hinweise zu dem Täter mehr als vage, der in der Nacht zum 5. April 2012 um 1.15 Uhr auf die herumalbernden jungen Leute feuert. Der 16-jährige Alexander A. russischer Herkunft und der 17-jährige arabischstämmige Markus Jamal A. werden lebensgefährlich verletzt. Zwei 20- und 21-Jährige werden nicht getroffen. Der Unbekannte soll bis auf wenige Meter herangekommen sein. Er habe kein Wort gesagt und einfach losgefeuert.

Die Tat geschah einige Monate nach der Aufdeckung der rechtsterroristischen Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Mit dem für politische Delikte zuständigen Staatsschutz hat die Mordkommission, wie jetzt bekannt wurde, bereits die durch rechtsextreme Taten aufgefallenen Männer aus der Region überprüft – ohne Ergebnis. Bei Reachout, der „Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt“, ist man beim Motiv wenig vorsichtig: „Solange nicht der Gegenbeweis erbracht ist, gehen wir von einer rassistischen Tat aus“, sagte Sabine Seyb von Reachout durchs Mikro. Die Familie des Opfers teilt dagegen auf einer Internetseite mit: „Wir behaupten nicht, dass es sich bei dem Mord um einen rassistischen Akt handelt.“ JÖRN HASSELMANN

http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-neukoelln-hunderte-menschen-gedenken-des-ermordeten-burak-bektas/8028134.html


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2013-04-06 Gedenken an Burak
UserReachOut 10.04.2013, 16:22 Uhr
Presseschau
Tageszeitung
Ein Jahr nach Mord in Neukölln

Gut 600 Menschen gedenken mit einer Demonstration in Neukölln des vor einem Jahr getöteten Berliners Burak B. Der Täter ist bis heute nicht ermittelt.

200 TeilnehmerInnen hatten die Veranstalter erwartet – es dürften gut dreimal so viele gewesen sein, die am Samstag an einer Gedenkdemonstration für den vor einem Jahr getöteten Burak B. teilnahmen.
200 TeilnehmerInnen hatten die Veranstalter erwartet – es dürften gut dreimal so viele gewesen sein, die am Samstag an einer Gedenkdemonstration für den vor einem Jahr getöteten Burak B. teilnahmen.
Der damals 22-jährige Neuköllner türkischer Abstammung war in der Nacht vom 4. auf den 5. April 2012 von einem Unbekannten erschossen worden, als er zusammen mit einigen Freunden an einer Bushaltestelle stand – nur wenige hundert Meter entfernt vom Wohnort der Familie in einer beschaulichen Einfamilienhausgegend im südlichen Neuköllner Ortsteil Britz. Zwei weitere junge Männer aus der Gruppe wurden durch Schüsse schwer verwundet, zwei andere blieben unverletzt. Der Täter flüchtete unerkannt, von ihm gibt es bis heute keine Spur.

Der bisherige Misserfolg der polizeilichen Ermittlungen ist ein Grund, warum die „Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B.“ zu der Demonstration aufgerufen hatte. Der Initiative gehören Freunde und Angehörige des Getöteten sowie antirassistische Initiativen und die Opferberatungstelle ReachOut an.

20 Jahre vor dem Mord an Burak war in der Gegend ein Neuköllner Neonazi bei einer Auseinandersetzung mit AntirassistInnen getötet worden, 2012 hatten Rechtsradikale deshalb zu Racheaktionen aufgerufen – diese Informationen, die die Aufklärungsinitiative zusammengetragen und an die Polizei weitergegeben hat, ließen auch einen möglichen rechtsradikalen Hintergrund der Tat denkbar erscheinen, vermuten ihre Mitglieder. Mit der vagen Erklärung der Polizei, es werde „in alle Richtungen ermittelt“, wollen sie sich nicht zufrieden geben.

„Was bedeutet: in alle Richtungen ermitteln?“, „Wie werden die Nazi-Angriffe in Neukölln beendet?“ oder „Gibt es in rechten Internetforen Täterwissen?“ – diese Fragen wurden von Demoplakaten aufgeworfen. Neukölln sei der Berliner Stadtteil mit den meisten Neonazi-Straftaten, es gebe eine „rassistische antimuslimische Szene“ im Bezirk, hieß in es in den Demo-Ansprachen.

Fragen und Fakten, die offenbar viele BerlinerInnen beschäftigen. Die Demo-TeilnehmerInnen boten jedenfalls ein bunteres Bild als bei Antirassismus-Demos sonst üblich: Neben jungen Mädchen mit Burak-Fotos auf dem T-Shirt liefen ältere Damen mit Kopftüchern, neben jungen Wollmützenträgern auch ein gutbürgerliches Paar aus Britz: „Wir halten es als Neuköllner für notwendig, hier teilzunehmen“, sagt die Frau.

„Wie soll das hier weitergehen? Wir haben Angst!“, sagt ein junger türkeistämmiger Neuköllner, der mit seinen Freunden gekommen ist. „Findet den Mörder!“, wird vom Lautsprecherwagen als Parole skandiert. Doch der Demonstrationszug, der sich vom islamischen Friedhof am Columbiadamm am Rathaus Neukölln vorbei bis zum Hermannplatz bewegt, blieb vor allem im vorderen Teil eher ruhig, die Stimmung bedrückt. An seiner Spitze gingen die Eltern des getöteten Burak mit. ALKE WIERTH

http://www.taz.de/Ein-Jahr-nach-Mord-in-Neukoelln/!114094/


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2013-04-05 Misstrauen gegenüber den Behörden
UserReachOut 10.04.2013, 15:46 Uhr
Presseschau Tageszeitung

Gedenken an Burak B. und Jonny K.

Mit einer Demonstration und einem Benefizkonzert soll am Wochenende in Berlin an die Ermordung zweier Jugendlicher gedacht werden.

An diesem Wochenende wird in Berlin zweier Jugendliche gedacht, die im vergangenen Jahr in der Hauptstadt gewaltsam ums Leben gekommen sind. Mit einem großen Benefizkonzert hält ein Verein das Andenken an Jonny K. wach, der vor einem halben Jahr von einer Gruppe von Jugendlichen auf dem Berliner Alexanderplatz tot getreten wurde.

Eine Demonstration am Samstag erinnert an den unaufgeklärten Tod des damals 22-jährigen Burak B., der vor genau einem Jahr im Süden Berlins auf offener Straße von einem Unbekannten erschossen wurde.

Er wolle „ein Zeichen setzen, dass dieser Fall nicht in Vergessenheit gerät“, sagte der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU), als er am Mittwoch die Familie besuchte, deren Sohn Burak in der Nacht vom 4. auf den 5. April 2012 ermordet wurde. Zwei andere junge Männer aus Buraks Gruppe wurden angeschossen und schwer verletzt, zwei weitere blieben unverletzt.

Der Täter war in dieser Nacht unvermittelt an einer Bushaltestelle auf die bunte Gruppe – die jungen Männer waren arabischer, türkischer und russischer Herkunft – zugegangen und verschwand nach den Schüssen spurlos.

Die Tat geschah im Süden des Berliner Stadtteils Neukölln. Hier, in einer ruhigen und grünen Einfamilienhaussiedlung, lebt die Familie des Opfers: Der Vater ist selbständiger Handwerker, die Mutter Krankenpflegerin, ihre drei Kinder sind Schüler oder Auszubildende. Burak stand kurz vor dem Abschluss einer Lehre als Kfz-Händler.

Noch immer Fragezeichen

Eine Initiative aus Freunden des Getöteten, antirassistischen Vereinen und der Opferberatungsstelle ReachOut will mit einer Demonstration am Samstag darauf aufmerksam machen, dass der Fall immer noch nicht aufgeklärt ist.
Neben diesem Misserfolg wirft die Initiative den Ermittlungsbehörden eine „katastrophale Informationspolitik“ vor. Sie klärten die Familie und die Öffentlichkeit zu wenig darüber auf, wie und in welche Richtungen ermittelt werde, klagt Helga Seyb von ReachOut, die Sprecherin der Initiative.

Was die Reihenhausidylle im Neuköllner Süden vom multikulturellen Norden unterscheidet, der häufig als „Problemkiez“ bezeichnet wird, ist, dass hier die Neonazis traditionell stark sind: Übergriffe sind keine Seltenheit, Naziaufkleber an der Tagesordnung. Mehrmals wurde der Treffpunkt der sozialistischen Jugendbewegung „Falken“ in Brand gesteckt, antirassistische Einrichtungen und ihre Aktivisten wurden angegriffen.

Dass auch die Schüsse auf Burak B. und seine Freunde rassistisch oder rechtsextrem motiviert gewesen seien, wolle man zwar nicht behaupten, sagt die Initiative, es sei aber auch nicht auszuschließen. „Deswegen wollen wir von der Polizei wissen, in welche Richtungen ermittelt wird und in welche nicht“, so Seyb.

Rechtsextremer Hintergrund nicht auszuschließen

Sie artikuliert damit das Misstrauen, das nicht nur viele Migranten gegenüber deutschen Behörden hegen, seit die NSU-Mordserie aufgeflogen ist.

Die Pressestelle der Berliner Staatsanwaltschaft sagt zum Fall Burak B., es gebe keine Hinweise auf einen Täter, daher könne ein rechtsextremer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden. Als Beleg für die Ernsthaftigkeit ihrer Ermittlungen verweist sie auf die „Auslobung einer hohen Belohnung“ und die „Vorstellung des Falles“ bei der TV-Sendung „Aktenzeichen XY“.

Die Polizei tue „alles, um den Mörder Ihres Sohnes zu fassen“, verspricht auch Innensenator Henkel Buraks trauerndem Vater bei seinem Besuch. In den vergangenen Jahren habe Berlin viele Bürger durch Gewalt verloren, sagt Henkel – etwa Giuseppe M., Jonny K. und eben Burak B.. Er hoffe, dass diese „Spirale der Gewalt“ in der Hauptstadt eines Tages durchbrochen werden könne, so der CDU-Politiker.

Am meisten Schlagzeilen hatte im vergangenen Jahr der Tod von Jonny K. gemacht. Der junge Thai-Deutsche war im Oktober am Berliner Alexanderplatz nachts von einer Gruppe türkischstämmiger Jugendlicher so heftig attackiert worden, dass er wenig später an Gehirnblutungen starb.

Gegen fünf Tatverdächtige soll im Mai der Prozess beginnen. Der Hauptverdächtige hatte sich nach der Tat in die Türkei abgesetzt. Wie am Donnerstag bekannt wurde, ermittelt nun die türkische Justiz wegen „vorsätzlichen Mordes“ gegen ihn.

Am 7. April wäre Jonny K. 21 Jahre alt geworden. Nachdem ihr Bruder ermordet wurde, gründete seine Schwester Tina den Verein „I am Jonny“. Seitdem spricht sie in Schulen und Kindergärten über Gewaltprävention, im November 2012 erhielt sie dafür den Medienpreis „Bambi“. Für das Benefizkonzert am Sonntag konnte sie Musiker von Seed und andere Berliner Popgrößen gewinnen. Die Erlöse sollen in Anti-Gewalt-Projekte fließen.

Seit Mittwoch ist auf der Webseite des Vereins überdies ein Video zu sehen, in dem sich prominente Schauspieler, Musiker und Sportler wie Minh Khai Phan-Thi, Sibel Kekilli, Jérôme Boateng und Max Herre gegen jede Form von Gewalt aussprechen.

Sie zitieren die Namen von Menschen, die in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen gewaltsam zu Tode gekommen sind – von Amadeu Antonio in Dessau und Fabian Salar Saremi in Frankfurt über Aziz Güler in Köln und Daniel Sievers in Kirchweyhe bis zu Dominik Brunner im München. Und natürlich Jonny K. und Burak B. in Berlin. ALKE WIERTH / DANIEL BAX

http://www.taz.de/!114065/


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2013-04-04 Warum starb Burak B.?
UserReachOut 10.04.2013, 16:32 Uhr
Presseschau Neues Deutschland

Helga Seyb Mitarbeiterin der Berliner Opferberatung »Reach out«

nd: Vor einem Jahr wurde in Berlin Burak B. ermordet. Die Organisation Reach Out widmet sich der Opferberatung im Zusammenhang mit rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Berlin und beteiligt sich am Initiativkreis zur Aufklärung des Verbrechens. Was ist damals passiert?*'

Seyb: Der 22-jährige Mann wurde in der Nacht vom 4. zum 5. April 2012 auf offener Straße erschossen. Burak stand auf einer belebten Straße gegenüber dem Neuköllner Krankenhaus in einer Gruppe junger Männer, als nach Augenzeugenberichten ein etwa 40 bis 60 Jahre alter Mann gezielte Schüsse auf die Gruppe abgab. Zwei junge Männer wurden schwer verletzt, Burak starb noch am Tatort an einem Lungendurchschuss.

Warum ziehen Sie Parallelen zur NSU-Mordserie?

Es gab keinerlei Verbindung zwischen Opfern und Täter. Der Tat ging kein Wortwechsel oder Streit voraus. Der nach Angaben der Augenzeugen deutsche Täter hat kaltblütig und gezielt auf die Gruppe geschossen. Daher stellte sich schnell die Frage, ob die NSU-Mordserie als Vorbild für die Tat gedient hat. So wurde Burak B. kürzlich auf eine Liste von Personen gesetzt, bei denen der Verdacht besteht, dass ihr Tod rechte Hintergründe hat.

Wie liefen die bisherigen Ermittlungen?

Die Polizei hat immerhin, anders als bei der NSU-Mordserie, nicht versucht, die Schuld bei den Opfern zu suchen. Andererseits erklärt die Polizei seit einem Jahr, dass sie in alle Richtungen ermittelt. Wir fragen uns, welche Richtungen das sind. Das Perfide ist, dass weder die Angehörigen noch die Freunde von Burak den Stand der Ermittlungen kennen. Die Tatsache, dass die Polizei den Mordfall kürzlich bei der Fernsehsendung XY-Ungelöst vorgestellt hat, deutet darauf hin, dass es bisher keine Ermittlungsergebnisse gibt. Die Angehörigen und die Öffentlichkeit haben ein Recht darauf, über die Ermittlungsergebnisse informiert zu werden und zu erfahren, was die Polizei bisher unternommen hat.

Gibt es außer dem Verdacht, der sich aus dem Tathergang ergibt, Spuren in die rechte Szene?

Wir haben keine Informationen und wollen nicht spekulieren. Aber wir haben viele Fragen. So ist bekannt, dass es im Süden Neuköllns immer wieder zu Angriffen von Neonazis kommt. Am Abend des Mordes fand eine antifaschistische Informationsveranstaltung zu Naziaktivitäten im Süden Neuköllns statt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit waren bekannte und gewaltbereite Neonazis in der Gegend unterwegs. Wir fragen uns, ob die Ermittlungsbehörden hier einen Zusammenhang sehen.

Was ist zum Jahrestag des Mordes geplant?

Am 6. April ruft die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B. zu einer Demonstration auf. Damit wollen wir mit den Angehörigen und Freunden an Burak erinnern. Wir wollen verhindern, dass die Ermittlungen eingestellt werden und sein Tod in Vergessenheit gerät. Nach dem Bekanntwerden der NSU-Mordserie haben wir uns als Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt oft die Frage gestellt, warum wir die ganzen Jahre über bei all den unaufgeklärten Morden nicht hellhörig geworden und an die Öffentlichkeit gegangen sind. Mit der Demonstration wollen wir deutlich machen, dass uns das nicht wieder passieren wird, dass wir nicht passiv bleiben. Fragen: PETER NOWAK

http://www.neues-deutschland.de/artikel/817646.warum-starb-burak-b.html


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2013-04-04 Gedenk-Demo für Burak Bektas
UserReachOut 04.04.2013, 15:20 Uhr
Presseschau Tagesspiegel

Am 5. April 2012 wurde der 22-jährige Burak Bektas in Neukölln auf der Straße erschossen, zwei junge Männer wurden schwer verletzt. Der Täter ist bis heute nicht gefasst. Am Sonnabend laden Freunde und Angehörige zur Gedenkdemo. Im Internet suchen sie selbst mit.

Für seine Freunde wird Burak Bektas in der Erinnerung nie sterben. „Ich wünschte, dass der Himmel ein Telefon hätte, so könnte ich deine Stimme wieder hören. Ich denke im Schweigen an dich, ich spreche häufig deinen Namen. Alles, was ich habe, sind Erinnerungen und Bilder in einem Rahmen!“

So drückt eine junge Frau auf der Facebook-Seite namens „R.I.P Burak Bektas (5/4/2012)“ im Internet ihre Trauer aus. Vor einem Jahr wurde der junge Berliner erschossen, im Alter von 22 Jahren, in der Nacht vom 4. auf den 5. April, gegenüber dem Vivantes-Klinikum Neukölln. Der Täter: flüchtig. Auch ein Jahr nach der Bluttat gibt es keine heiße Spur.

Es tue ihnen unendlich leid, dass sie keine anderen Nachrichten überbringen könnten, sagten sowohl Innensenator Frank Henkel (CDU) als auch Polizeipräsident Klaus Kandt am Mittwoch, als sie Buraks Eltern in Buckow besuchten.

Es waren vertrauliche Gespräche, nur kurz traten Senats- und Behördenvertreter vor die Kameras. Henkel erinnerte zudem an andere Fälle, in denen junge Berliner getötet oder ermordet wurden, wie Jonny K., 20 Jahre jung. Ein anderer lief vor Angst um sein Leben vor ein Auto: Giuseppe Marcone, 23.

In Gedenken an den Ermordeten und zur symbolischen Unterstützung der Ermittler lädt die „Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B.“ auf ihrer Facebook-Seite zu einer Demonstration am 6. April um 14 Uhr am Friedhof Columbiadamm 128 in Neukölln. „Wir wünschen uns eine Demonstration, bei der das Gedenken an Burak im Mittelpunkt steht, ohne Nationalfahnen und religiöse Symbole jeglicher Art“, teilten die Veranstalter der Demo mit. Zur Initiative gehören Freunde und Verwandte, die Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt Reach Out, der Verein Allmende, die antirassistische Initiative, die Autonome Neuköllner Antifa. Unterstützt wird die Gruppe nach eigener Auskunft durch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR).

Zur Mahnwache am Sonnabend nahe der Sehitlik-Moschee am Friedhof, auf dem Bektas beerdigt wurde, rufen auch der Förderverein Türkiyemspor, das Bündnis gegen Rassismus und der „faq Infoladen“ auf – und fragen sich: „Ist Rassismus wieder das Motiv?“ Bei der Staatsanwaltschaft heißt es, man ermittele weiter in alle Richtungen. Ein fremdenfeindlicher Akt, die Tat eines psychisch Kranken, ein persönliches Motiv wie Eifersucht – nichts werde ausgeschlossen. Die 6. Mordkommission mit rund zehn Mitarbeitern sucht weiter, 15 000 Euro Belohnung stehen aus. Der Kommissionschef hatte laut der Anwältin der Familie sogar seine Privattelefonnummer herausgegeben, um keinen Hinweis zu verpassen – so etwas macht die Polizei sonst nicht.

Was sie weiß: Burak Bektas war in Neukölln groß geworden, er besuchte die Hans-Fallada-Grundschule, er machte eine Ausbildung bei einem Autohaus. Er hatte damals gerade Bilder von Freunden, die von Polizisten festgehalten wurden, ins Internet gestellt.

Am Gründonnerstag 2012 dann kommt er vom Selbstverteidigungstraining in Treptow. Burak und vier Freunde warten um 1.15 Uhr in der Rudower Straße auf den Bus. Der Täter in grün-schwarzer Kapuzenjacke mit Reißverschluss, 40 bis 60 Jahre alt, kommt auf die Gruppe zu, feuert ohne Vorwarnung. So schildert die Polizei den Vorfall nach Zeugenaussagen später. Der 22-jährige Bektas erleidet einen Lungendurchschuss, stirbt im gegenüberliegenden Krankenhaus; die Besatzung eines zufällig vorbeifahrenden Rettungswagens hatte ihn gesehen. Der 16-jährige Alex A. russischer Herkunft und der 17-jährige arabischstämmige Jamal A. werden lebensgefährlich verletzt. Zwei 20- und 21-Jährige bleiben unverletzt. Einer will in Panik auf das dünne Bäumchen auf der Mittelinsel klettern. Der Täter soll in den Möwenweg an der Klinik geflüchtet sein.

An alles soll die Demo erinnern. „Die Vereine und die Familie behaupten nicht, dass es sich bei dem Mord um einen rassistischen Akt handelt. Die Familie teilt auch keinerlei politischen Interessen der Vereine, falls diese vorhanden sind. Wir möchten an diesem Tag an die grausame Tat erinnern, damit der Täter endlich gefasst wird und Burak niemals in Vergessenheit gerät“, teilen die Veranstalter bei Facebook mit. Ein Eintrag, der mit „Euer Freund und Bruder Murat“ unterzeichnet ist, lautet: „Wir als Familie von Burak wollen, dass die Demonstration friedlich und ohne Komplikation vonstatten geht. Dieser Tag soll nur Burak gehören.“ ANNETTE KÖGEL

Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 4664 - 911 601 und in jeder Polizeidienststelle entgegen. Die Initiativen: http://burak.blogsport.de/ und www.facebook.com/Burak.unvergessen

http://www.tagesspiegel.de/berlin/taeter-wird-weiter-gesucht-gedenk-demo-fuer-burak-bektas/8016690.html


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2013-04-04 Ein Jahr nach den Schüssen in Berlin-Neukölln Gedenk-Demo für Burak Bektas am Sonnabend
UserReachOut 10.04.2013, 15:52 Uhr
Presseschau Tagesspiegel

Am 5. April 2012 wurde der 22-jährige Burak Bektas in Neukölln auf der Straße erschossen, zwei junge Männer wurden schwer verletzt. Der Täter ist bis heute nicht gefasst. Im Internet suchen sie selbst mit.

Für seine Freunde wird Burak Bektas in der Erinnerung nie sterben. „Ich wünschte, dass der Himmel ein Telefon hätte, so könnte ich deine Stimme wieder hören. Ich denke im Schweigen an dich, ich spreche häufig deinen Namen. Alles, was ich habe, sind Erinnerungen und Bilder in einem Rahmen!“

So drückt eine junge Frau auf der Facebook-Seite namens „R.I.P Burak Bektas (5/4/2012)“ im Internet ihre Trauer aus. Vor einem Jahr wurde der junge Berliner erschossen, im Alter von 22 Jahren, in der Nacht vom 4. auf den 5. April, gegenüber dem Vivantes-Klinikum Neukölln. Der Täter: flüchtig. Auch ein Jahr nach der Bluttat gibt es keine heiße Spur.

Es tue ihnen unendlich leid, dass sie keine anderen Nachrichten überbringen könnten, sagten sowohl Innensenator Frank Henkel (CDU) als auch Polizeipräsident Klaus Kandt am Mittwoch, als sie Buraks Eltern in Buckow besuchten.

Es waren vertrauliche Gespräche, nur kurz traten Senats- und Behördenvertreter vor die Kameras. Henkel erinnerte zudem an andere Fälle, in denen junge Berliner getötet oder ermordet wurden, wie Jonny K., 20 Jahre jung. Ein anderer lief vor Angst um sein Leben vor ein Auto: Giuseppe Marcone, 23.

In Gedenken an den Ermordeten und zur symbolischen Unterstützung der Ermittler lädt die „Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B.“ auf ihrer Facebook-Seite zu einer Demonstration am 6. April um 14 Uhr am Friedhof Columbiadamm 128 in Neukölln. „Wir wünschen uns eine Demonstration, bei der das Gedenken an Burak im Mittelpunkt steht, ohne Nationalfahnen und religiöse Symbole jeglicher Art“, teilten die Veranstalter der Demo mit. Zur Initiative gehören Freunde und Verwandte, die Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt Reach Out, der Verein Allmende, die antirassistische Initiative, die Autonome Neuköllner Antifa. Unterstützt wird die Gruppe nach eigener Auskunft durch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR).

Zur Mahnwache am Sonnabend nahe der Sehitlik-Moschee am Friedhof, auf dem Bektas beerdigt wurde, rufen auch der Förderverein Türkiyemspor, das Bündnis gegen Rassismus und der „faq Infoladen“ auf – und fragen sich: „Ist Rassismus wieder das Motiv?“ Bei der Staatsanwaltschaft heißt es, man ermittele weiter in alle Richtungen. Ein fremdenfeindlicher Akt, die Tat eines psychisch Kranken, ein persönliches Motiv wie Eifersucht – nichts werde ausgeschlossen. Die 6. Mordkommission mit rund zehn Mitarbeitern sucht weiter, 15 000 Euro Belohnung stehen aus. Der Kommissionschef hatte laut der Anwältin der Familie sogar seine Privattelefonnummer herausgegeben, um keinen Hinweis zu verpassen – so etwas macht die Polizei sonst nicht.

Was sie weiß: Burak Bektas war in Neukölln groß geworden, er besuchte die Hans-Fallada-Grundschule, er machte eine Ausbildung bei einem Autohaus. Er hatte damals gerade Bilder von Freunden, die von Polizisten festgehalten wurden, ins Internet gestellt.

Am Gründonnerstag 2012 dann kommt er vom Selbstverteidigungstraining in Treptow. Burak und vier Freunde warten um 1.15 Uhr in der Rudower Straße auf den Bus. Der Täter in grün-schwarzer Kapuzenjacke mit Reißverschluss, 40 bis 60 Jahre alt, kommt auf die Gruppe zu, feuert ohne Vorwarnung. So schildert die Polizei den Vorfall nach Zeugenaussagen später. Der 22-jährige Bektas erleidet einen Lungendurchschuss, stirbt im gegenüberliegenden Krankenhaus; die Besatzung eines zufällig vorbeifahrenden Rettungswagens hatte ihn gesehen. Der 16-jährige Alex A. russischer Herkunft und der 17-jährige arabischstämmige Jamal A. werden lebensgefährlich verletzt. Zwei 20- und 21-Jährige bleiben unverletzt. Einer will in Panik auf das dünne Bäumchen auf der Mittelinsel klettern. Der Täter soll in den Möwenweg an der Klinik geflüchtet sein.

An alles soll die Demo erinnern. „Die Vereine und die Familie behaupten nicht, dass es sich bei dem Mord um einen rassistischen Akt handelt. Die Familie teilt auch keinerlei politischen Interessen der Vereine, falls diese vorhanden sind. Wir möchten an diesem Tag an die grausame Tat erinnern, damit der Täter endlich gefasst wird und Burak niemals in Vergessenheit gerät“, teilen die Veranstalter bei Facebook mit. Ein Eintrag, der mit „Euer Freund und Bruder Murat“ unterzeichnet ist, lautet: „Wir als Familie von Burak wollen, dass die Demonstration friedlich und ohne Komplikation vonstatten geht. Dieser Tag soll nur Burak gehören.“ ANNETTE KÖGEL

Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 4664 - 911 601 und in jeder Polizeidienststelle entgegen. Die Initiativen: http://burak.blogsport.de/ und www.facebook.com/Burak.unvergessen

http://www.tagesspiegel.de/berlin/ein-jahr-nach-den-schuessen-in-berlin-neukoelln-gedenk-demo-fuer-burak-bektas-am-sonnabend/8016690.html




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