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  ReachOut-Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus  
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ReachOut


Thema: Presseschau

In der Rubrik 'Presseschau' sind Presseberichte dokumentiert, in denen ReachOut erwähnt wird, und Beiträge von Mitarbeiterinnen von ReachOut:

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2011-04-14 Kritische Reflexionen
UserReachOut 14.04.2011, 16:12 Uhr
Presseschau kritisch-lesen.de

Rezension der Broschüre: Rassistische Verhältnisse - Ausblicke - Tendenzen – Positionen. ReachOut (Hg.)

Fast pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum veröffentlichte ReachOut – Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus eine abwechslungsreiche und überaus lesenswerte Broschüre.

Wie Delal Atmaca im Vorwort zu Recht bemerkt, ist ein zehnjähriges Jubiläum der Berliner Opferberatungsstelle kein Grund zu grenzenloser Freude, denn gäbe „es keine rechte, keine rassistische, keine antisemitische Gewalt, dann bräuchte es ReachOut gar nicht“ (S. 4). Aber – und auch da hat Atmaca recht, solange es Rassismus gibt, solange muss es auch Opferberatung geben, solange muss es Orte geben, an denen die Perspektive der Betroffenen in den Mittelpunkt gerückt wird. Und so kommen in der Publikation etliche Menschen zu Wort, direkt oder indirekt, die Betroffene rassistischer Gewalt wurden. Maria Joao Portugal schildert einen Angriff in einer S-Bahn und einen anderen in Berlin-Spandau, Berliner Stadtteilmütter sprechen zu Erfahrungen mit antimuslimischem Rassismus und zwei „Fälle“ rassistisch motivierter Polizeigewalt werden vorgestellt.

Die Broschüre umfasst neben eben diesen Opferperspektiven, also neben etlichen Schilderungen von rassistischer Gewalt und Ausgrenzung eine Reihe von Artikeln rund ums Thema Rassismus. Yasemin Shooman verdeutlicht in „’Kultur’ statt ‚Rasse’“ das Phänomen des antimuslimischen Rassismus und führt pointiert aus, dass inzwischen das Merkmal „Kultur“ zur Grenzziehung zwischen Eigenem und Fremdem dient (vgl. S. 19). Manchmal, so Shooman, werde Rassismus via emanzipativer Diskurse vermittelt, beispielsweise wenn er mit dem Thema Frauenrechte verbunden wird. Es gelte also genau hinzuschauen, „wenn Menschenrechte ins Feld geführt werden, um die Ablehnung einer Gruppe als Kollektiv zu legitimieren.“ (S. 20) Koray Yilmaz-Günay schaut genau hin und analysiert in dem Artikel „Frauen und Homosexuelle im Clash of Civilizations“ die Diskursverschränkungen zwischen Rassismus und Sexismus/Homophobie. Yilmaz-Günay zeigt auf, wie diese Verschränkungen bis hin zur Legitimation von Krieg führen können. Dass aber die immanente Selbstzuschreibung von Deutschland als antisexistisch mit der faktischen Wirklichkeit nicht viel zu tun hat, auch das wird benannt, also die „Tendenz, benachteiligte Gruppen gegeneinander in Stellung zu bringen, um mit kleinen Zugeständnissen das große Ganze bestehen zu lassen.“ (S. 33) Es müsse, so Koray Yilmaz-Günay, darum gehen, „gemeinsam gegen Diskriminierung vorzugehen, ohne sich in eine ‚Opfer-Konkurrenz’ zu begeben. (…) Die Überwindung von Sexismus und Homophobie kann sinnvoll nur als antirassistischer Kampf geführt werden.“ (S. 33)

Wie versucht wird, Betroffene zu Täter_innen und eine weiße Mehrheitsgesellschaft zu Opfern umzudefinieren, das zeigt Sebastian Friedrich in dem ausgezeichneten Artikel „Spiele(nd) ernst nehmen! Zum Eliten-Rassismus und dessen Funktion“ auf. Während der jüngsten Integrations-Debatte wurde wenig bis gar nicht über Rassismus und stattdessen über die „Ängste der weißen Bevölkerung“ (S. 25) gesprochen. Dass hier „Rassismus als Folge von Angst verharmlost wird“ (ebd.) ist eine Sache. Die andere ist das damit verbundene „Selbstbild von Teilen der Elite“ (ebd.). Beides benennt Friedrich und führt folgend die Funktionen von Eliten-Rassismus aus. Neben der Feindbildproduktion durch die Konstruktion von Sicherheitsdefiziten besteht eine andere Funktion in der Spaltung von Protestpotential. Zuletzt, so beschreibt es der Autor, geht es um die „Ethnisierung des Sozialen“, die Hand in Hand geht mit „dem verbreiteten Wunsch der Eliten nach der zunehmenden Ökonomisierung des Sozialen.“ (S. 28)

Auch Biplab Basu beschreibt Formen des Rassismus, die meist in der öffentlichen Wahrnehmung nicht als Teil des Problems gesehen werden. „All das geschieht fast unbemerkt. Friedlich“, so bringt es der Titel auf den Punkt. Es geht hier um institutionellen Rassismus, um Rassismus der Polizei, um Rassismus in Strafanstalten, um den Rassismus in den Medien. Diese Institutionen wirken, so Basu, besonders machtvoll in ihrer „willigen Beteiligung an der Lösung des sogenannten Problems ‚Migration’.“ (S. 39) Was gegen solch machtvolle Institutionen getan werden kann, zeigt der Artikel „KOP. Die Kampagne für Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt stellt sich vor“ exemplarisch auf. Es gilt mit verschiedenen Hilfsangeboten an Betroffene „eine Normalität zu durchbrechen.“ (S. 45) Und so stellt sich KOP gegen die „von Seiten der politisch Verantwortlichen vertretenen ‚Schwarzen Schafe’ und ‚Einzelfall’-Thesen, wonach rassistisch motivierte Polizeiübergriffe eine Ausnahme darstellen, die von einigen wenigen Ausnahmepolizisten verübt werden.“ (ebd.) Neben KOP stellt sich die Psychologische Beratung für Opfer rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt vor, denn für Betroffene dauert ein Übergriff länger als der konkrete Akt. Hier geht es um psychologische Krisenintervention und Traumatherapie.
Informationen für Lehrer_innen und Eltern über rassistisches Mobbing in der Schule ergänzen einen Artikel von Sanchita Basu, die sich gegen die Bagatellisierung von rassistischem Mobbing an Schulen richtet und für einen verstärkten Dialog diesbezüglich eintritt.

Timo Lange wendet sich in dem Artikel „Hate Crime“ gegen das Konzept der Hasskriminalität, das u.a. auch vom BKA herangezogen wird um Statistiken über rassistische Straftaten aufzustellen. Er kritisiert einleuchtend, dass bei diesem Konzept die „überindividuelle, gesellschaftliche Dimension von Rassismus oder Homophobie“ verloren gehe. Somit trage die Kategorie Hasskriminalität zur Entpolitisierung rassistischer Gewalt bei. Es geht darum, und das geht aus allen Artikeln evident hervor, Rassismus und andere Ausgrenzungsmechanismen als strukturelle Probleme wahrzunehmen und Machtbeziehungen in die Analyse mit einzubeziehen.

Gut, dass es ReachOut gibt, gut, dass Rassismuskritik so deutlich, offensiv und klug wie in dieser Broschüre vermittelt wird – gerade auch in einer Zeit, in der Extremismusquatsch, Bekenntniszwang und Generalverdacht denen die Arbeit schwer macht, die Rassismus entgegenwirken. REGINA WAMPER

Die Broschüre ist online verfügbar.
ReachOut (Hg.) 2010: Rassistische Verhältnisse. Ausblicke - Tendenzen - Positionen.
57 Seiten.

http://www.kritisch-lesen.de




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2011-04-11 Kriminalitätsstatistik nicht aussagekräftig?
UserReachOut 12.04.2011, 16:52 Uhr
Presseschau tvberlin.de

Die Kriminalitätsstatistik der Berliner Polizei ist von Teilen der Opposition als wenig aussagekräftig für die tatsächliche Sicherheitslage in der Stadt bezeichnet. «Diese Statistik ist mitnichten eine Aussage über die Höhe der Kriminalität in dieser Stadt», sagte der CDU-Innenpolitiker Robbin Juhnke am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Es gebe ein hohes Dunkelfeld. Der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux kritisierte, es gebe zu wenig Polizisten auf den Straßen, um den Menschen ein ausreichendes Sicherheitsgefühl zu vermitteln.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und Polizeipräsident Dieter Glietsch hatten immer eingeräumt, dass es in bestimmten Bereichen ein großes Dunkelfeld gebe - dass die Polizei also von vielen Straftaten nie erfahre, weil sie nicht angezeigt würden. Das gilt etwa für viele kleinere Diebstähle oder Rauschgiftkriminalität. Die Polizei erfasste im vergangenen Jahr 475 021 Taten. Das waren 2,5 Prozent weniger als im Jahr 2009 (487 096).

Die Statistik zeige wie immer «Licht und Schatten», sagte Körting. Problematisch sei, dass es im Vergleich mit 2001 fast keinen Rückgang bei den sogenannten Rohheitsdelikten wie Körperverletzung und Raub gebe. «Das ist keine sensationell positive Entwicklung.» Allerdings habe die Zahl der Diebstähle oder der Fälle von Schusswaffengebrauch im gleichen Zeitraum deutlich abgenommen. «Die Statistik zeigt, dass die Polizei gute Arbeit macht, sie zeigt aber auch, dass sie keine Wunder vollbringt.»

Juhnke sagte, der offizielle Rückgang der registrierten Verbrechen und Vergehen liege an fehlenden Polizisten, die weniger kontrollieren könnten. «Man könnte auch sagen: Wenn wir null Polizei hätten, hätten wir auch null Kriminalität.»

An die Adresse Körtings sagte Lux: «Versetzen Sie sich in die Lage eines Opfers eine Gewaltverbrechens. Entscheidend ist es, subjektiv die Lage zu verbessern.» Man müsse alles dafür tun, «in den Straßen mehr Polizeipräsenz zu haben, um mehr Sicherheitsgefühl zu vermitteln.» Gerade der Rückgang bei den sogenannten Kontrolldelikten mache klar, dass die Polizei zu wenig Zeit habe, solche Vergehen zu verfolgen.

Auch Verstöße gegen den Gesundheitsschutz und Umweltschutz würden nicht streng genug verfolgt, sagte Lux. Er vermisse außerdem konkrete Aussagen zur organisierten Kriminalität. «Dort werden die größten Schadenssummen verursacht.»

Der FDP-Politiker Björn Jotzo nannte die Zunahme der Diebstähle im vergangenen Jahr besorgniserregend. Angesichts dieser Entwicklung sei völlig unklar, wie der Senat damit umgehe, dass künftig zahlreiche Polizisten in Rente gehen würden. Stellen könnten nicht mehr besetzt werden, die Personallücken seien gravierend.

Die allermeisten Taten, die in der 200 Seiten umfassenden Statistik aufgelistet werden, gehören eher zur Kleinkriminalität. Mehr als ein Drittel sind Diebstähle (rund 190 000). Weitere knapp 100 000 sind Betrügereien, dazu kommen 50 000 Sachbeschädigungen und 30 000 leichte Körperverletzungen.

Laut Statistik sanken die Zahlen bei Mord, Betrug, Sachbeschädigungen, Fahrraddiebstahl und Brandstiftungen durch Linksextremisten. Zugenommen haben die angezeigten Misshandlungen von Kindern, die Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung sowie die Diebstähle aus Autos, Kellern oder Geschäften.

http://www.tvb.de/newsmeldung/datum/2011/04/11/kriminalitaetsstatistik-nicht-aussagekraeftig.html


Video unter : http://www.tvbvideo.de/video/iLyROoafzEhW.html

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2011-04-01 „Alle Bezirke in Berlin sind betroffen“
UserReachOut 12.04.2011, 16:39 Uhr
Presseschau Newsletter des Migrationsrates Berlin-Brandenburg Nr.4, April 2011


Interview mit Eben Louw über die Demographie der Opfer und Täter rassistischer Gewalt

Um was für eine Stelle handelt es sich bei der psychologischen Beratung für Opfer rassistischer, rechtsextremer, antisemitischer Gewalt?

Die Stelle ist – wie auch ReachOut – angebunden an Ariba e.V. Wir sind eine Erstkontaktstelle zur Beratung von Opfern rassistischer, rechtsextremer oder antisemitischer Gewalt. Meine Aufgabe ist es eine psychologische Beratung für diese Opfergruppe zu stellen.

Seit wann arbeitest du in diesem Bereich?

Seit 2007. Vorher war ich ehrenamtlich beim Bund gegen ethnische Diskriminierung beschäftigt.

Was genau ist rassistische Gewalt?

Die Motivation der Täter_innen spielt eine Rolle. Es geht um Attacken, die die Identität von den Menschen angreifen, bei denen gezeigt wird, dass dieser Mensch mit seinen Merkmalen unerwünscht ist.

Wer beansprucht deine Hilfe?

Es ist schwierig etwas zur Demographie der Gruppe zu sagen. Denn jede_r, die Opfer rassistischer Gewalt wird, kann hierher kommen. Aber bei einem Rückblick über die letzten Jahre, kann ich schon sagen, dass die Hilfe mehr von Migrant_innen in Anspruch genommen wird. Meistens handelt es sich um Leute, die entweder als Kinder oder als Erwachsene nach Deutschland eingereist sind.

Also eher die erste als die zweite Generation?

Es melden sich auch Menschen aus der zweiten und dritten Generation. Nur viel weniger.

Aus welchem Bereich kommen sie? Was ist der Status?

Der Aufenthaltsstatuts und die Motivation für die Migration spielt überhaupt keine Rolle.

Spielt es eine Rolle wie lange sie schon hier sind?

Schwer zu sagen. Ich habe mir einiges dazu überlegt, aber das wird immer wieder auch nicht bestätigt. Ich denke ein Grund, weshalb Leute, die frisch in Berlin sind, sich nicht so schnell melden, liegt darin, dass sie die Hilfemöglichkeiten nicht kennen. Oft gibt es Schwierigkeiten mit der Sprache. Die Idee, dass mit höherer Kultiviertheit [Übersetzungsfehler: „level of acculturation“ – mit höherem Grad der kulturellen Anpassung] auch mehr Rechte eingefordert werden, hat sich bisher nicht bestätigt. Aber auf diesem Gebiet wird auch nicht viel geforscht.

Auf welchem Gebiet?

Ab welchem Zeitpunkt Menschen, die migriert sind, schneller Hilfe suchen. Abgesehen davon gibt es eine große Hemmschwelle für Psychologische Beratungen im Allgemeinen. Man geht nicht einfach zur Psycholog_in. Man kommt nicht unbedingt auf die Idee, dass man nach einem körperlichen, rechtsextremen oder rassistischen Angriff, psychologische Hilfe benötigen könnte.

Spielt vielleicht die soziale Zugehörigkeit eine Rolle?

Nein. Wir haben Student_innen. Wir haben Menschen mit Arbeit, ohne Arbeit, Flüchtlinge, Leute, die im Asylverfahren stecken, in jedem Alter. Weniger Kinder. Die sind meist hier, wenn sie Zeug_innen geworden sind, also wenn z. B. ihre Eltern angegriffen wurden.

Wie kommen die Leute hierher?

Über unser Netzwerk an Beratungsstellen. Über die AWO, über Flüchtlingsberatungsstellen, über die Homepage etc.

Also immer über Multiplikator_innen. Was ist mit Ärzt_innen oder mit der Polizei?

Selten, aber das passiert auch. Z. B. dass jemand einen Flyer irgendwo sieht und kommt. Aber, dass eine niedergelassene Ärzt_in mir jemanden schickt, kommt nicht vor.

Was ist die „Demographie der Täter_innen“?

Das kann jede/r sein, weil rassistische Gewalt von jeder Gruppe ausgeübt werden kann. Die Demographie ist so breit, wie es Menschen gibt.

Oft wird der Eindruck erweckt, in den Medien z. B., dass rassistische Gewalt nur von Neonazis ausgeht, wie ist die Erfahrung hier?

Nein, die Täter_innen sind nicht hauptsächlich Nazis. Das sind oft Leute, die nicht als Nazis auffallen, aber ein rassistisches Gedankengut haben. Natürlich gibt es hier auch Opfer von Nazis oder organisierten Schlägergruppen, aber genauso auch Leute, die z. B. Partygänger_innen oder ähnliches sind. Auch haben wir Fälle, wo Menschen von Nachbar_innen angegriffen werden. Auseinandersetzungen, wo Leute nicht nur einmal, sondern mehrfach Opfer von Gewalt werden. Es handelt sich also wirklich nicht um ein Phänomen, das sich ausschließlich am rechtsextremen Rand abspielt.

Auch nicht hauptsächlich?

Überhaupt nicht. Das kann man wirklich nicht sagen.

Gibt es Orte, wo sich die Überfälle häufen in Berlin. Gibt es Orte, die als sicher gelten?

Ich weiß nicht, was „sicher gelten“ heißen soll. ReachOut hat einmal eine sehr schöne Ausstellung von Tatorten gemacht. Wenn man sich das anguckt und auch wenn ich zurückdenke an die Klient_innen, die ich hatte, sind alle Bezirke in Berlin betroffen. Eine Attacke in einem Bezirk ist schon zu viel. Auch bspw. Kreuzberg ist nicht sicher vor rassistischer oder rechtsextremer Gewalt. Auch Neukölln nicht.

Gibt es eine Entwicklung seit du diese Stelle inne hast (2007)? Hat die Gewalt zugenommen, abgenommen, ist sie gleich geblieben?

Die Nachfrage nach psychologischen Beratungen hat einen leichten Anstieg erfahren. Das kann aber auch damit zu tun haben, dass das Projekt mehr an die Öffentlichkeit kommt. Vor 2008 hatten wir nicht einmal einen Flyer. Auch heute haben wir kaum Geld für die Öffentlichkeitsarbeit. Aber es hat sich etwas getan. Außerdem ist die psychologische Beratung an sich eine Form der Dienstleistung, die mehr oder weniger losgelöst ist von dem, was aktuell geschieht. Wir haben Klient_innen, die vor Jahren Opfer geworden sind, aber heute noch den Leidensdruck spüren und nie wussten, dass es Hilfe gibt, die das einfach hingenommen haben: Ja, ich bin Opfer von Gewalt geworden, aber Gewalt ist Teil des Lebens. Wenn man sich bspw. die Diagnostik von posttraumatischen Verhaltensstörungen anschaut, dann kann es auch noch nach Jahren zu Symptomatiken kommen.

Was würdest du einer Person empfehlen, die rassistische Gewalt erfährt, vielleicht aber nicht das Gefühl hat psychisch belastet zu sein? Sollte man in jedem Fall eine Beratungsstelle aufsuchen, weil man nicht absehen kann, wie sich das in den Folgemonaten entwickelt?

Das muss jede_r für sich entscheiden. Ich kann nur empfehlen den Leidensdruck oder auch das Leid nicht zu unterschätzen und ernst zu nehmen. Die Leute haben unterschiedliche Symptome: Schmerz, Schlaflosigkeit. Sie wissen oft nicht wirklich, dass es mit dem Vorfall zu tun haben kann. Da hilft Psychoedukation.

Was heißt das?

Eine psychologische Aufklärung: Was passiert mit mir nach einer Gewalttat? Das hilft auch Zweifel zu verhindern: Bin ich jetzt verrückt? Alle Menschen sind so gestrickt, dass man bei Gefahr ein bestimmtes Muster an Reaktionen zeigt. Das natürlich breitgefächert ist.

Ist Psychoedukation das, was hauptsächlich hier in dieser Beratungsstelle betrieben wird?

Wir machen unterschiedliche Dinge: Wir klären auf, wir bieten Menschen die Möglichkeit, die Traumata zu bewältigen.

Therapie?

Man muss nicht alles Therapie nennen. Häufig geht es um ein paar Termine, Trauma Counselling (Beratung). Natürlich hat das immer wieder therapeutische Ansätze. Wir bieten eine Traumatherapiegruppe an. Für Menschen, die in der Einzelbehandlung merken, sie brauchen noch mehr. Sie möchten sich vielleicht mit anderen austauschen. Dann treffen sie sich alle zwei Wochen verteilt über ein Jahr. Was wir auch machen, ist das sog. „Clearing“, also der Versuch herauszufinden, was die optimale Behandlung für den jeweiligen Menschen ist, denn wir können hier nicht jede Behandlung anbieten. Dann vermitteln wir die Leute weiter.

Wie viele Leute arbeiten hier in diesem Projekt?

Eine feste Anstellung habe nur ich. Des Weiteren gibt es eine Assistentin, die zwei Mal die Woche hier ist. Außerdem gibt es eine Co-Therapeutin auf Honorarbasis, die die Therapiegruppe leitet und als Honorarkraft eingestellt ist. Und in bestimmten Fällen arbeiten wir mit Dolmetscher_innen.

Das Gespräch führte Deniz Utlu

Eben Louw , psychologischer Berater für Opfer rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Psychologische Beratung
für Opfer rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt
Oranienstr. 159 10969 Berlin
Tel: 0 30.92 21 82 41 (Anrufbeantworter)
Fax: 0 30.69 56 83 46
www.opra-gewalt.de
info@opra-gewalt.de


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2011-03-16 Opferberatungsvereine veröffentlichen Zahlen über rechtsextreme Gewalt 2010
UserReachOut 21.03.2011, 16:14 Uhr
Presseschau Netz-gegen-nazis.de

Verschiedene Beratungsstellen für Opfer rechtsextremer Gewalt haben zum Jahresbeginn ihre Statistiken veröffentlicht. In der Stadt Berlin war - für das Jahr 2010 - ein Anstieg rechtsextremer Übergriffe in den westlichen Bezirken zu beobachten. Die Zunahme rechtextremistischer Gewalttaten in Brandenburg wurde vor allem im Süden des Landes registriert. In Sachsen konnte zwar ein leichter Rückgang rechtsextremer Übergriffe verzeichnet werden, mit 239 Fällen befindet sich die Zahl dennoch auf einem hohen Niveau. In Sachen-Anhalt nahm besonders die Zahl rassistisch motivierter Gewalttaten zu.


Berlin

Die Opferberatungsstelle ReachOut hat 109 rechtextreme Gewalttaten in Berlin für das Jahr 2010 registriert. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (102 Fälle). In den Bezirken Neukölln und Mitte verdoppelte sich die Zahl der Übergriffe. Damit nähern sich die Zahlen der östlichen und westlichen Bezirke weitestgehend an. Fast die Hälfte der rechtsextremen Gewalttaten ereignete sich 2010 in Westbezirken. Im Jahr zuvor gab es hier nur 36 Angriffe. Hauptsächlich waren die Übergriffe rassistisch motiviert und ereigneten sich im öffentlichen Raum oder in öffentlichen Verkehrmitteln und Bahnhöfen.


Brandenburg

Für das Land Brandenburg verzeichnete der Verein "Opferperspektive" 108 rechtsextreme Gewalttaten. Dies bedeutet einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr - 2009 wurden 101 Fälle registriert. Allerdings ist man damit weit entfernt von Jahren wie 2007, als 157 Übergriffe registriert wurden. Die meisten Übergriffe in Brandenburg richteten sich gegen Flüchtlinge und MigrantInnen. 74 Fällen sind Körperverletzungen. Generell beklagt der Verein einen Anstieg rechtsextremer Gewalttaten im Süden Brandenburgs. Die Stadt Cottbus hat mit 19 Fällen die größte Anzahl rechtsextremer Übergriffe zu verzeichnen. Solche räumlichen Verschiebungen haben auch mit der Veränderung rechtsextremer Strukturen zu tun, erläutert Dominique John von der "Opferperspektive": "Wir beobachten, dass etwa ein Zusammenschluss rechtsextremer Kameradschaften wie 'Spreelichter' Einfluss auf Gewalttaten hat. Menschen aus dem Kameradschaftsspektrum organisieren sich so offenbar auch für Gewalttaten."


Sachsen

Die Opferberatung Sachsen hat 239 Fälle rechtsextremer Gewalttaten für das Jahr 2010 registriert. Im Vorjahr waren es noch 263 Übergriffe. Die meisten Gewalttaten haben die Städte Leipzig (44) und Dresden (35) zu verzeichnen. Als Region hat der Landkreis Leipzig die meisten Übergriffe zu verbuchen. In Sachsen richten sich die Gewalttaten hauptsächlich gegen nicht rechtsextreme Jugendliche, hier sind 102 Fälle bekannt. Mit 53 Fällen bildet Rassismus den zweiten Rang der Tatmotive. 39 Personen wurden aufgrund ihres Engagements gegen Neonazis angegriffen. Die Art der Straftaten waren - führend mit 206 Fällen - der Tatbestand der Körperverletzung bzw. der versuchten Tötung, gefolgt von Nötigung, Bedrohung oder versuchter Körperverletzung mit 140 Fällen.


Sachsen-Anhalt

Für das Jahr 2010 hat die Mobile Opferberatung in Sachsen-Anhalt insgesamt 101 politisch rechts motivierte Gewalttaten in Sachsen-Anhalt registriert. Davon waren mindestens 176 Menschen direkt betroffen. 2009 waren es 111 Taten. In 85 Prozent der Fälle handelt es sich um Körperverletzungsdelikte (86). Somit wird statistisch gesehen alle drei bis vier Tage eine politisch rechts motivierte Gewalttat im Sachsen-Anhalt verübt. Besonders erschreckend: Der Anstieg rassistisch motivierter Gewalttaten. Deren Anteil an der Gesamtzahl von Angriffen im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt: Lag er 2009 bei 24 Prozent (34), so sind 2010 42 Prozent (42) aller Angriffe auf Rassismus zurückzuführen. "Der Anstieg rassistischer Gewalttaten kann als Resultat der verschärften Debatte um Zuwanderung und Integration in 2010 verstanden werden", sagt eine Sprecherin der Mobilen Opferberatung. "Durch die damit einhergehende Abwertung und Stigmatisierung von Flüchtlingen und Migrant_innen fühlen sich rechte und rassistische Angreifer offenbar zunehmend legitimiert."
Insgesamt scheinen sich also nach dem aktuellen Stand sich also die Opferzahlen auf immer noch hohem Niveau zu stabilisieren. Nachmeldungen von Übergriffen sind allerdings die Regel. Um Zahlen aus den Bundesländern zu erfahren, die keine Beratungsstellen für Opfer rechtsextremer Gewalt haben, muss die interessierte Öffentlichkeit auf die Verfassungsschutzberichte der jeweiligen Länder warten. Allerdings zeigt die Erkenntnis der vergangenen Jahre, dass die Zahlen der Opferberatungsstellen genauer sind - einfach, weil sich hier auch Menschen hinwenden, die Hilfe suchen, aber (noch) nicht zur Anzeige der Täter bereit sind. HANNAH FRÜHAUF

http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/opferberatungsvereine-veroeffentlichen-zahlen-ueber-rechtsextreme-gewalt-2010


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2011-03-11 Rechte Gewalt in Berlin steigt wieder an
UserReachOut 14.03.2011, 14:39 Uhr
Presseschau zeitonline - Störungsmelder

Schläge, Bedrohungen und ein Brandanschlag: Die Berliner Opferberatungsstelle Reachout hat am Mittwoch die von ihr erhobenen Zahlen rechter Gewalt für das Jahr 2010 vorgestellt. Demnach stieg mit insgesamt 109 Fällen erstmals seit mehreren Jahren wieder die Zahl der Übergriffe in der Hauptstadt. 2008 waren es noch 148 Angriffe, 2009 nur noch 102. „Eigentlich hatten wir gehofft, dass dieser Trend anhält“, sagte Reachout-Leiterin Helga Seyb.

Am häufigsten schlagen die Täter wie schon in den Vorjahren in Friedrichshain (16 Fälle) zu. Neu ist, dass Neukölln mit 15 Angriffen auf den zweiten Platz der Liste gerutscht ist. Dort habe es ganze „Angriffswellen“ der rechten Szene gegen alternative Cafés, Privatpersonen und Büros demokratischer Parteien gegeben, sagte Sebastian Wehrhahn von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus. Viele der „Ziele“ seien zuvor auf der Internetseite des “Nationalen Widerstand Berlin” aufgelistet worden. In Interviews mit rechtsextremen Medien hatte in der Vergangenheit der Szenekader und NPD-Politiker Sebastian Schmidtke zugegeben für die Webseite verantwortlich zu sein. Sein Name wird auch auf Flugblättern und Aufklebern als V.i.S.d.P. genannt, die auf der Seite heruntergeladen werden können. Die auf der Seite angegebene Telefonnummer führt zu Schmidtkes Mobiltelefon.

Die wenigsten Gewalttaten wurden in Zehlendorf (2) und Steglitz (0) registriert. In der ehemals rechtsextremen Hochburg Lichtenberg wurden nur noch acht Fälle gemeldet. Das spreche für den Erfolg der vom Bezirk unterstützten Maßnahmen gegen die Neonaziszene. Auffallend ist, dass es inzwischen im Westen der Stadt beinahe genauso viele Angriffe gibt, wie im Osten. Bisher lag dort der Schwerpunkt. Mehr als die Hälfte aller Taten war rassistisch motiviert, 20 mal traf die Gewalt linke Jugendliche. Die Anzahl antisemitischer (8) und homophober (10) Taten blieb nahezu gleich. Die Täter sind laut Reachout häufig keine organisierten Neonazis, sondern zum Teil gewalttätige „Alltagsrassisten“. Auf der Webseite des Vereins findet sich eine Chronik der Angriffe und eine interaktive Karte der Tatorte. Doch nicht alle Fälle werden dort genannt. „Manche Menschen trauen sich nicht einmal Anzeige zu erstatten“, sagt Seyb. Die offiziellen Zahlen der Polizei liegen deshalb erfahrungsgemäß niedriger. Sie werden erst im April mit der Kriminalstatistik veröffentlicht.

Dass die Stadt vor rechten Schlägern auch im Jahr 2011 nicht verschont bleiben wird, zeigte sich erneut in der Nacht zu Mittwoch. Gegen 22.10 Uhr jagten zwei polizeibekannte Neonazis auf dem Bahnhof Lichtenberg eine Gruppe Asiaten über den Bahnsteig und riefen rassistische Parolen. Anschließend griffen sie einen zufällig anwesenden 26-jährigen Mann aus Polen mit einer zerschlagenen Bierflasche an. Er erlitt Schnittverletzungen an der rechten Hand. Noch im U-Bahntunnel konnten Bundespolizisten die beiden 20 und 21 Jahre alten Tatverdächtigen festnehmen. Die beiden betrunkenen Männer aus Marzahn-Hellersdorf zeigten sich äußerst aggressiv. Sie erwartet jetzt ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung. JOHANNES RADKE

http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2011/03/10/rechte-gewalt-in-berlin-steigt-wieder-an_5876


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2011-03-10 Wieder mehr rechte Angriffe in Berlin
UserReachOut 14.03.2011, 14:58 Uhr
Presseschau
bier-statt-blumen.de

Helga Seyb hätte gerne wieder von sinkenden Angriffszahlen berichtet, wie in den Vorjahren. Aber 2010 gab es wieder mehr rechte Übergriffe in Berlin: Sie berichtet von 109 im Jahr 2010, nach 102 im Vorjahr und 148 im Jahr 2008. Getroffen durch die Angriffe wurden im Vorjahr 184 Menschen in Berlin. Helga Seyb ist Beraterin bei ReachOut. Die Kreuzberger Institution berät und hilft Opfern rechter Angriffe.

Sebastian Wehrhahn von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin (mbr) spricht angesichts der Wellen rechter Angriffe in Kreuzberg und Neukölln davon, dass “das subjektive Bedrohungspotenzial drastisch gestiegen ist”. Über eine Internetseite hatten Rechtsextreme gezielt zu Angriffen in Berliner Bezirken aufgerufen und diese organisiert. So gab es u.a. im Oktober 2010 den Brandanschlag auf das M99 in Kreuzberg. “Es wird versucht, eine Atmosphäre der Angst zu schaffen und Menschen einzuschüchtern”, sagte Wehrhahn. “Und über die Webseite wird versucht, weiterhin Angriffe vorzubereiten.”

“Wir hätten gerne Entwarnung gegeben, aber so ist es nicht. Die Angriffe verlagern sich zunehmend auch in die Westbezirke”, sagte Seyb gestern bei einem Pressegespräch. “Wir haben jetzt für Ost und West annähernd gleich viele Angriffe festgestellt, obwohl es im Westen wesentlich weniger Anlaufstellendie Opfer rechter Gewalt gibt.” 2010 wurden die meisten gewalttätigen Angriffe in Friedrichshain gezählt (16), wie in den Vorjahren. Doch direkt danach folgt jetzt Neukölln mit 15 Vorfällen. “Dort sind es vor allem politische Gegner, die angegriffen werden”, sagte Seyb.

Für ganz Berlin gesehen, sind die meisten Angriffe rassistisch motiviert – wie schon in den beiden vergangenen Jahren. Mehr als jeder zweite der 109 Angriffe geschah aus diesem Motiv. 20 mal wurden politische Gegner angegriffen, zehn Übergriffe hatten einen schwulen- oder lesbenfeindlichen Tathintergrund, acht einen antisemitischen.

Lange stand in der öffentlichen Diskussion meist der Osten im Blickpunkt, wenn es um Rechtsextremismus geht. Vergleichsweise dünn sei daher die Sensibilisierung in den Westteilen. Helga Seyb erzählt ein Beispiel: Eine Gruppe grillt auf dem Flugfeld Tempelhof. Sie wird angegriffen von einigen Männern, die offensichtlich dem Rechtsextremismus freundlich gegenüber stehen: Sie tragen das Konterfei Hitlers auf dem T-Shirt und einige andere verfassungsfeindliche Kennzeichen. Die herbei gerufenen Polizisten sind sich unsicher, ob es denn überhaupt verboten sei, ein Bild Hitlers anzuziehen. Sie fragen vorsichtshalber mal nach in der Dienststelle. “Ich vermute, so etwas wäre im Osten nicht mehr möglich”, sagt Seyb. Nicht nur die Polizisten seien dort sensibilisierter für rechtsextreme Warnsignale. Deshalb vermutet sie auch, dass es im Westteil Berlins eine hohe Dunkelziffer rechter Angriffe gibt. Dass es zum Beispiel in Reinickendorf, Spandau oder Steglitz gewalttätige Übergriffe aus rechtsextremen Motiven heraus gibt, die aber von der Polizei nur als “normale” Körperverletzung erfasst werden – ohne das rechtsextreme Motiv zu benennen. Zudem gibt es in den Westbezirken noch kein Register, dessen Mitarbeiter rechte Vorfälle systematisch beobachten und dokumentieren und so ein aktuelles Bild der rechten Lage vor Ort geben. Das kann sich bald ändern: In Kreuzberg gibt es viele Fortschritte. In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt ein breites Bündnis gegen Rechts. Auch in Neukölln gibt es das Engagement, bald ein Register vor Ort aufzubauen.

ReachOut und die Berliner Register vermitteln ein aktuelleres und differenziertes Bild des Rechtsextremismus in Berlin als die Zahlen und Meldungen der Polizei.

Die fünf Register in Berlin setzen anders an als ReachOut: Ihre Mitarbeiter beobachten und dokumentieren Signale aus der rechten Szene sowie konkrete Vorfälle. Sie vermitteln so ein aktuelles Bild vom “Alltagsklima” in Berlin in puncto Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Rechtsextremismus, wie Kati Becker vom Register Treptow-Köpenick sagt. Erfasst werden auch Aufkleber und rechte Graffiti, Pöbeleien und rechte Veranstaltungen. Wo ist die Schnittmenge mit ReachOut? Das sind die Angriffe, bei denen Menschen beleidigt oder verletzt werden. Dort unterstützt ReachOut bei der Polizei, vor Gericht und im Alltag.

Für das Jahr 2010 stellten die fünf Register gestern ihre Dokumentation vor.

In der Diskussion wurde deutlich, wie stark die so genannte “Extremismusklausel” von Familienministerin Kristina Schröder die Initiativen unter Druck setzt. Für zwei der Register, Friedrichshain und Treptow-Köpenick, ist die künftige Finanzierung schwierig, weil sie die Extremismusklausel nicht unterschreiben werden. Auch ReachOut wird eine solche Erklärung nicht unterschreiben. Zur Begründung schreibt ReachOut: “Diejenigen, die dies nicht mit ihrem politischen Selbstverständnis oder auch einfach nur mit ihrem Gewissen vereinbaren können, mögliche Projektpartner_innen zu musstrauen und zu bespitzeln, haben sich für die zuständige Ministerin bereits demaskiert.” Heike Weingarten vom Register Friedrichshain hofft, “dass die Extremismusklausel bald vor Gericht kommt, weil sie dort keinen Bestand haben wird”.

Hier die Extremismusklausel im Wortlaut:

“Hiermit bestätigen wir, dass wir uns zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland bekennen und eine den Zielen des Grundgesetzes förderliche Arbeit gewährleisten.
Als Träger der geförderten Maßnahme haben wir zudem im Rahmen unserer Möglichkeiten (Literatur, Kontakte zu anderen Trägern, Referenzen, die jährlichen Verfassungsschutzberichte des Bundes und der Länder etc.) und auf eigene Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass die als Partner ausgewählten Organisationen, Referenten etc. sich ebenfalls zu den Zielen des Grundgesetzes verpflichten. Uns ist bewusst, dass keinesfalls der Anschein erweckt werden darf, dass eine Unterstützung extremistischer Strukturen durch die Gewährung materieller oder immaterieller Leistungen Vorschub geleistet wird.” NICOLE WALTER

Links:
Die Webseite von ReachOut
Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (mbr)
Das Register Treptow-Köpenick
Das Register Friedrichshain
Das Lichtenberger Register
Das Verzeichnis Marzahn-Hellersdorf
Das Pankower Register
Bündnis gegen Rechts in Charlottenburg-Wilmersdorf
Die Lagedarstellung der Politisch motivierten Kriminalität in Berlin 2009
tagesschau.de über die Extremismusklausel


http://www.bier-statt-blumen.de/03/2011/wieder-mehr-rechte-angriffe-in-berlin/


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2011-03-10 Rechte schlagen konstant zu
UserReachOut 14.03.2011, 14:27 Uhr
Presseschau Taz

Rechte Straftaten bleiben laut Opferberatung in Berlin konstant. Erstmals liegen Ost und West auf gleichem Niveau. Polizei sieht dagegen deutliche Abnahme rechter Gewalt im letzten Jahr

Die Opferberatungsstelle ReachOut hat im vergangenen Jahr 109 rechtsextreme Gewalttaten in Berlin gezählt. Dies sei ein geringfügiger Anstieg gegenüber dem Jahr zuvor (102), teilte die Beratungsstelle am Mittwoch mit. Die meisten Angriffe wurden den Angaben zufolge in den Stadtteilen Friedrichshain (16), Neukölln (16), Mitte (12) und Kreuzberg (10) registriert. Rückläufig sind die Zahlen für Lichtenberg (8 / 2008: 15), Treptow (4 / 9) und Pankow (2 / 13).

Erstmals seit Gründung der Opferberatung vor zehn Jahren seien die Zahlen im Osten und Westen der Stadt annähernd gleich groß, hieß es weiter. Wurden 2009 in den Westbezirken 36 Vorfälle notiert, waren es 2010 nun 50. Als Tatmotiv für die Angriffe wurde für mehr als die Hälfte der Fälle Rassismus angegeben. Danach folgten Angriffe auf Menschen, die als "politische Gegner" angesehen wurden, sowie auf Homosexuelle und Fälle mit antisemitischem Hintergrund. Die meisten Vorfälle ereigneten sich den Angaben zufolge im öffentlichen Raum.

Die sogenannten Register in einzelnen Bezirken Berlins, auf deren Statistiken die Angaben von ReachOut beruhen, zählten nach eigenen Angaben zudem zahlreiche Propagandadelikte wie Hakenkreuzschmierereien, Bedrohungen, Pöbeleien und Beleidigungen. Zusammengenommen ergebe sich für Berlin eine Zahl von mehr als 500 rechtsextrem motivierte Delikte für 2010. Auf Treptow-Köpenick entfielen dabei 162 Vorfälle, 70 Prozent davon Propagandadelikte. Pankow notierte 115 rechtsextreme Vorkommnisse, Lichtenberg 113 und Marzahn-Hellersdorf 53. In Friedrichshain verdoppelten sich die Delikte zum Vorjahr um mehr als das Doppelte: von 40 auf 85 Taten.

Als "besonders erschreckend" bezeichnete die Registerstelle in Pankow das "systematische Vorgehen" gegen politische Gegner sowie das Ausmaß an Verharmlosung und Verherrlichung des Nationalsozialismus. In Marzahn-Hellersdorf rechnet ReachOut für 2011 mit einer Zunahme islamfeindlicher Taten, nachdem die rechtspopulistische "Bürgerbewegung pro Deutschland" dort ihren Hauptsitz eingerichtet hat.

Der Polizei liegen für 2010 noch keine abschließenden Zahlen zu politisch motivierten Straftaten in Berlin vor. Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte vor einigen Wochen aber von einem "deutlichen Rückgang" rechts- wie linksextremer Taten gesprochen. EPD, TAZ

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bl&dig=2011%2F03%2F10%2Fa0177&cHash=f3707d9d32


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2011-03-10 Rechte Gewalt schwappt in den Westen
UserReachOut 14.03.2011, 14:47 Uhr
Presseschau Potsdamer Neueste Nachrichten

Zahl der Übergriffe in Berlin hat wieder zugenommen

Berlin - Schläge, Bedrohungen und ein Brandanschlag: Die Opferberatungsstelle Reachout hat am Mittwoch die von ihr erhobenen Zahlen rechter Gewalt in Berlin für das Jahr 2010 vorgestellt. Demnach stieg mit insgesamt 109 Fällen erstmals seit mehreren Jahren wieder die Zahl der Übergriffe. 2008 waren es noch 148 Angriffe, 2009 nur noch 102. „Eigentlich hatten wir gehofft, dass dieser Trend anhält“, sagte Reachout-Leiterin Helga Seyb.

Am häufigsten schlagen die Täter wie schon in den Vorjahren im Stadtteil Friedrichshain (16 Fälle) zu. Neu ist, dass Neukölln mit 15 Angriffen auf den zweiten Platz der Liste gerutscht ist. Dort habe es ganze „Angriffswellen“ der rechten Szene gegen alternative Cafés, Privatpersonen und Büros demokratischer Parteien gegeben, sagte Sebastian Wehrhahn von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus. Viele der „Ziele“ seien zuvor auf einer rechten Internetseite aufgelistet worden.

Die wenigsten Gewalttaten wurden in Zehlendorf (2) und Steglitz (0) registriert. In der ehemals rechtsextremen Hochburg Lichtenberg wurden noch acht Fälle gemeldet. Das spreche für den Erfolg der vom Bezirk unterstützten Maßnahmen gegen die Neonaziszene. Auffallend ist, dass es inzwischen im Westen der Stadt beinahe genauso viele Angriffe gibt, wie im Osten. Bisher lag dort der Schwerpunkt. Mehr als die Hälfte aller Taten war rassistisch motiviert, 20 mal traf die Gewalt linke Jugendliche. Die Anzahl antisemitischer (8) und homophober (10) Taten blieb nahezu gleich. Die Täter sind laut Reachout häufig keine organisierten Neonazis, sondern zum Teil gewalttätige „Alltagsrassisten“. „Manche Menschen trauen sich nicht einmal Anzeige zu erstatten“, sagt Seyb. Die offiziellen Zahlen der Polizei liegen deshalb erfahrungsgemäß niedriger. Sie werden erst im April mit der Berliner Kriminalstatistik veröffentlicht.JOHANNES RADKE

http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/382724/


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2011-03-10 Nazis wandern in den Westen
UserReachOut 10.03.2011, 16:04 Uhr
Presseschau Neues Deutschland

Rassistische Übergriffe in Berlin nehmen zu / Verlagerung der Vorfälle in westliche Bezirke

Rassistische Gewalt in der Hauptstadt nimmt wieder zu. Allerdings findet eine Verlagerung der Vorfälle statt: Im Osten gehen die Angriffe zurück, im Westen der Stadt steigt die Zahl.

Entgegen den Erwartungen ist die Zahl rechtsextremer Gewalttaten in der Hauptstadt wieder gestiegen. Das teilte die Opferberatungsstelle »Reach Out« am Mittwoch mit. Die Initiative registrierte im vergangenen Jahr 109 Angriffe mit rassistischem, antisemitischem, homophobem oder rechtsextremem Hintergrund. Im Vorjahr waren es noch 102. Nachdem die Zahlen in den vergangenen Jahren gesunken waren, sei man davon ausgegangen, bald Entwarnung geben zu können, erklärte Sprecherin Helga Seyb. Dies sei leider nicht der Fall.

»Reach Out« dokumentiert nur gewalttätige Übergriffe, reine Sachbeschädigungen oder Propagandadelikte sind nicht erfasst. Allerdings werden im Unterschied zu Polizeistatistiken auch solche Fälle einbezogen, die nicht zur Anzeige gebracht wurden. Von den Angriffen waren nach Kenntnis der Beratungsstelle 184 Personen direkt betroffen. Die Opfer litten häufig unter posttraumatischen Belastungssymptomen wie Schlafstörungen und Ängsten.

Zum ersten Mal seit der Gründung der Beratungsstelle vor zehn Jahren ist das Verhältnis der Angriffe im Berliner Osten (59) und Westen (50) annähernd gleich. Während die Zahl der Gewalttaten im Osten sinkt, nimmt sie im Westen zu. Laut Seyb könnte »Verlagerung« der Grund sein. »Möglicherweise ist es in den östlichen Bezirken besonders für Nazis ungemütlich geworden und sie sind gezwungen, sich andere Aktionsfelder zu suchen.« Das hänge mit den »guten Strukturen« in den östlichen Bezirken zusammen, etwa den vernetzten Bündnissen und der wehrhaften Zivilgesellschaft.

»Reach Out« geht vor allem in den westlichen Bezirken Berlins von einer hohen Dunkelziffer aus, da es dort kaum Anlaufstellen für Opfer oder Zeugen gebe und viele Fälle nicht erfasst würden. Seyb sieht dieses strukturelle Defizit als deutschlandweites Problem. Im Osten sei seit der Wende viel in Projekte gegen Rassismus investiert worden. Den Westen habe man dahingehend vernachlässigt. Das mache sich bemerkbar. »Viele Opfer aus ganz Deutschland rufen bei uns an und fragen nach Beratungsstellen in ihrer Nähe. Leider gibt es die kaum«, so Seyb. Bundesweit haben Opferverbände jüngst ihre Statistiken für 2010 bekannt gegeben. In Brandenburg ist die Zahl rechts motivierter Angriffe von 101 auf 108 leicht gestiegen. In Sachsen war mit 239 Fällen dagegen ein Rückgang um 24 Fälle zu verzeichnen. In Sachsen-Anhalt registrierte die Mobile Opferberatung 101 Gewalttaten, im Jahr zuvor lag die Zahl noch bei 111. Als besorgniserregend schätzte die Mobile Opferberatung jedoch den »massiven Anstieg rassistisch motivierter Gewalttaten« ein. Dieser lag in Sachsen-Anhalt bei 42 Prozent. Auch in Berlin war in über der Hälfte der Fälle Rassismus das Tatmotiv.

Einen Anstieg rassistischer Einstellungen für 2010 hatte auch Extremismusforscher Wilhelm Heitmeyer in der neunten Folge seiner bundesweiten Studie »Deutsche Zustände« festgestellt. Für die Mobile Opferberatung ist das ein Resultat der Integrationsdebatte. Durch die damit einhergehende Abwertung von Migranten fühlten sich Angreifer wohl zunehmend legitimiert. JENNY BECKER

http://www.neues-deutschland.de/artikel/192797.nazis-wandern-in-den-westen.html


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2011-03-10 Anzahl der Übergriffe gestiegen
UserReachOut 10.03.2011, 16:02 Uhr
Presseschau Tagesspiegel

Mehr rechtsextreme Gewalt auch im Berliner Westen

Die neuesten Zahlen für das Jahr 2010 zeigen, dass die Anzahl der Angriffe in Ost und West sich zum ersten Mal die Waage halten. Die meisten Übergriffe gibt es aber nach wie vor in Friedrichshain.

Schläge, Bedrohungen und ein Brandanschlag: Die Opferberatungsstelle Reachout hat am Mittwoch die von ihr erhobenen Zahlen rechter Gewalt für das Jahr 2010 vorgestellt. Demnach stieg mit insgesamt 109 Fällen erstmals seit mehreren Jahren wieder die Zahl der Übergriffe. 2008 waren es noch 148 Angriffe, 2009 nur noch 102. „Eigentlich hatten wir gehofft, dass dieser Trend anhält“, sagte Reachout-Leiterin Helga Seyb.

Am häufigsten schlagen die Täter wie schon in den Vorjahren in Friedrichshain (16 Fälle) zu. Neu ist, dass Neukölln mit 15 Angriffen auf den zweiten Platz der Liste gerutscht ist. Dort habe es ganze „Angriffswellen“ der rechten Szene gegen alternative Cafés, Privatpersonen und Büros demokratischer Parteien gegeben, sagte Sebastian Wehrhahn von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus.

Viele der „Ziele“ seien zuvor auf einer rechten Internetseite aufgelistet worden.

Die wenigsten Gewalttaten wurden in Zehlendorf (2) und Steglitz (0) registriert. In der ehemals rechtsextremen Hochburg Lichtenberg wurden nur noch acht Fälle gemeldet. Das spreche für den Erfolg der vom Bezirk unterstützten Maßnahmen gegen die Neonaziszene. Auffallend ist, dass es inzwischen im Westen der Stadt beinahe genauso viele Angriffe gibt, wie im Osten. Bisher lag dort der Schwerpunkt. Mehr als die Hälfte aller Taten war rassistisch motiviert, 20 mal traf die Gewalt linke Jugendliche. Die Anzahl antisemitischer (8) und homophober (10) Taten blieb nahezu gleich. Die Täter sind laut ReachOut häufig keine organisierten Neonazis, sondern zum Teil gewalttätige „Alltagsrassisten“. Auf der Webseite des Vereins findet sich eine Chronik der Angriffe und eine interaktive Karte der Tatorte. Doch nicht alle Fälle werden dort genannt. „Manche Menschen trauen sich nicht einmal Anzeige zu erstatten“, sagt Seyb. Die offiziellen Zahlen der Polizei liegen deshalb erfahrungsgemäß niedriger. Sie werden erst im April mit der Kriminalstatistik veröffentlicht.

Dass die Stadt vor rechten Schlägern auch im Jahr 2011 nicht verschont bleiben wird, zeigte sich erneut in der Nacht zu Mittwoch. Gegen 22.10 Uhr jagten zwei polizeibekannte Neonazis auf dem Bahnhof Lichtenberg eine Gruppe Asiaten über den Bahnsteig und riefen rassistische Parolen. Anschließend griffen sie einen zufällig anwesenden 26-jährigen Mann aus Polen mit einer zerschlagenen Bierflasche an. Er erlitt Schnittverletzungen an der rechten Hand. Noch im U-Bahntunnel konnten Bundespolizisten die beiden 20 und 21 Jahre alten Tatverdächtigen festnehmen. Die beiden betrunkenen Männer aus Marzahn-Hellersdorf zeigten sich äußerst aggressiv. Sie erwartet jetzt ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung. JOHANNES RADKE

http://www.tagesspiegel.de/berlin/mehr-rechtsextreme-gewalt-auch-im-berliner-westen/3932932.html


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Reachout ist ein Projekt von ARIBA e.V. und wird gefördert durch das Berliner "Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" und im Rahmen des Bundesprogramms "Förderung von Beratungsnetzwerken - Mobile Intervention gegen Rechtsextremismus".