»Betroffene glauben der Polizei nicht mehr«

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Erscheinungsdatum: 
Donnerstag, Dezember 5, 2019
MedienName: 
Neues Deutschland
Beschreibung / Anreisser: 

Die Opferberatung Reach Out kritisiert, dass die rechte Anschlagsserie in Neukölln noch immer nicht aufgeklärt ist

Von Philip Blees

Im Interview - Über die Perspektiven der Betroffenen der rechtsextremen Terrorserie in Berlin-Neukölln sprach mit Helga Seyb von »ReachOut« für »nd« Philip Blees. Die Opferberatungsstelle »ReachOut« berät seit vielen Jahren Opfer von rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Berlin. Die Angriffe werden von der Organisation in einer Chronik dokumentiert.

Im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses ging es jüngst erneut um die rechte Terrorserie in Neukölln. Hat die Parlamentssitzung für Sie neue Erkenntnisse zutage gefördert?

Ja, es ist schlimmer als erwartet.

Inwiefern schlimmer?

Im Fall des Linksparteipolitikers Ferat Kocak wurde deutlich, dass die Polizei Informationen zu seiner Gefährdung hatte, die sie nicht genutzt hat, um ihn zu warnen. Diese Informationen hatte sie schon ein Jahr vor dem Anschlag. Das macht aus Sicht der Betroffenen keinen Sinn. Wenn es einen Bericht gibt, den sie nicht nutzen können, stellt sich die Frage, warum die Polizei die Hinweise überhaupt erhalten hat. Ich verstehe, dass Aktivitäten des Verfassungsschutzes geschützt werden müssen. Das hätte die Beamt*innen aber nicht dran hindern müssen, potenzielle Täter*innen anzusprechen und ihnen klarzumachen, dass man über ihre Planung Bescheid weiß.

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